Aus eigener Kraft – Energieautarkes Dorf in Brandenburg

Bildnachweis: Energiequelle GmbH

Bildnachweis: Energiequelle GmbH

Nur 145 Einwohner zählt das Örtchen Feldheim im südwestlichen Brandenburg. Als bundesweit erstes energieautarkes Dorf erzeugt der Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen seine Energie direkt und zu 100 % CO2-neutral. Damit ist Feldheim inzwischen weit über seine Grenzen hinaus bekannt geworden und lockt zahlreiche Besuchergruppen an.

Vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner selbst zahlt sich die energetische Selbständigkeit in barer Münze aus. So beträgt der Strompreis für eine Kilowattstunde nur 16,6 Cent. Im bundesweiten Vergleich werden laut Vergleichsportal Verivox im Durchschnitt 28,5 Cent je kw/h gezahlt. Zusätzlich sparen sich die Feldheimer auch noch Stromsteuer und EEG-Umlage, da der Ort sein eigenes Stromnetz besitzt.

Windpark und Biogasanlage vor Ort

Alles begann 1998 mit einem Windpark, der heute 43 Anlagen umfasst. 74,1 Megawatt werden hier erzeugt, von dem nur 1 % für den Eigenverbrauch benötigt werden. Als dann auch noch der örtliche Betreiber Engergiequelle GmbH eine Fabrik für Nachführtechnik von Solaranlagen aufbaute, war direkt vor Ort ein industrieller Abnehmer für  Strom – und auch für Nahwärme vorhanden.

Diese Nahwärme liefert seit 2008 eine Biogasanlage der ebenfalls ortsansässigen Agrargenossenschaft. Damit war im wahrsten Sinne des Wortes der Weg nicht weit, auch die Bürgerinnen und Bürger Feldheims an das Nahwärmenetz anzuschließen. Interesse und Akzeptanz im Dorf waren von Anfang groß. Bis auf zwei Haushalte machten alle mit.

Der Schritt zum eigenen Stromnetz

Mit dem Anrollen der Bagger, die für das Nahwärmenetz Trassen durch das Dorf ziehen mussten, wurde der Gedanke geboren, gleich die Kabel für ein eigenes Stromnetz mitzuverlegen. Gesagt, geplant, getan! Neben Krediten und EU-Fördermitteln wurde das bürgereigene Netz von jedem Haushalt mit 1.500 € für Wärme und weiteren 1.500 € für Strom mitfinanziert.

Da der bestehende Energieversorger sein Netz nicht an die findigen Feldheimer abtreten wollte, liegen im Dorf nun sogar zwei Stromnetze. Und doch rechnet sich der Schritt zum eigenen Netz für die Brandenburger, denn umgerechnet 300.000 € Gewinn, den zuvor E.ON als alleiniger Netzbetreiber einstrich, verbleiben nun im Dorf.

Unterm Strich geht die Rechnung für die Feldheimer gleich mehrfach auf. Neben ökonomischer und  ökologischer Wertschöfpung, sind auch 20 neue Arbeitsplätze und Neuansiedlungen im Dorf zu verzeichnen. So zahlt sich Bürgerengagement nachhaltig aus.

Quelle: Suedeutsche.de, 4. Juli 2014, „Autarkes Dorf Feldheim – Mit eigener Energie“; http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/autarkes-dorf-feldheim-mit-eigener-energie-1.2017641

Hinweis: TV-Beitrag zu Feldheim in der 3sat-Mediathek: http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=31161

 

 

 

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