IKEK: Petershagen und seine 29 Dörfer enkeltauglich machen!

Am Samstag den 14.01.17 startete die Stadt Petershagen in der Sekundarschule Lahde mit einer Auftaktveranstaltung in den öffentlichen Teil der Aufstellung eines IKEK (Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept). Petershagen liegt im nordöstlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen, hat zur Zeit 26.000 Einwohner, die sich auf 212 Quadratkilometer Fläche und 29 Dörfer und Stadtteile verteilen. Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist 2 1/2 Fahrstunden entfernt, Hannover in Niedersachsen jedoch nur 50 Minuten.

Nachdem im Oktober 2016 der Bewilligungsbescheid der Bezirksregierung Detmold vorlag, wurde ARGE Dorfentwicklung aufgrund einer Ausschreibung mit der Betreuung und Durchführung des IKEK beauftragt.

Hier der Bericht von der spannenden Veranstaltung:

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Michael Buhre stellt die Planungen der Stadt Petershagen vor

Natürlich stürzen wir uns voller Begeisterung in die Vorbereitungen. Zu unserer Freude wurden Frau Ute Kerlen aus Arminghausen und Prof. Dr. Henning Austmann als Referenten und der ehemalige Mindener Bürgermeister Michael Buhre als Referent und Moderator gewonnen. Vorbildlich und punktgenau führt Herr Bürgermeister Dieter Blume durch das Programm.

Nun ist es soweit, die Schule füllt sich trotz der frühen Morgenstunde mit fast 200 Bürgerinnen und Bürger aus Petershagen und seinen dazugehörenden Dörfern. Herr Bürgermeister Blume begrüßt alle Gäste und die Referenten.

Für eine Kultur des Mitmachens und Anpackens

Nun bekommt Prof. Dr. Henning Austmann das Mikrofon und der Funke der Begeisterung springt schnell über. Sehr authentisch, mit viel Engagement und Freude nimmt er uns mit in den Prozess Dorfentwicklung in Flegessen, Hasperde und Klein Süntel. Henning Austmann ist Hochschulprofessor in Hannover, privat lebt er in Flegessen und dort ist er von Anfang an „Dorfentwickler“ und mitten drin in der „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“. Unabhängig von Alter, Beruf und Bildung werden alle Bürger immer wieder eingeladen. Ihre Ideen werden gehört und gewertschätzt, auch wenn sie noch so „versponnen“ sind. Erst einmal gibt es kein gut oder schlecht, kein richtig oder falsch, kein machbar oder verrückt. Alle Ideen und Träume sind willkommen. Sie werden zusammen getragen, um alle drei Dörfer enkeltauglich und zukunftssicher zu gestalten.

Prof. Dr. Austmann erzählt von vielen Wünschen und Träumen der Dorfbewohner, die in über 80 Projekten Eingang finden, darunter der Dorfladen „Das Süntellädchen“, eine Webseiten usw. Als nächstes Projekt soll das alte Pfarrhaus von Flegessen erworben und umgestaltet werden.

Natürlich gibt es auch nicht (oder noch nicht) umsetzbare Ideen. Dann braucht es Geduld und Flexibilität. Prof. Austmann ist besonders stolz darauf, dass bisher alle Projekte ohne Fördermittel allein durch das Engagement der Dorfbewohner realisiert wurden. Dazu braucht es allerdings die Begeisterung und den praktischen Gestaltungswillen der Bürgerinnen und Bürger.

Die mitreißende Freude, die immer wieder zwischen seinen Worten aufblitzt, greift Bürgermeister Blume auf. Er wünscht sich für Petershagen und seine Dörfer auch so ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, wo alle zum Wohle aller mittun.

Der Stadtrat sieht die Chancen des IKEK

Michael Buhre berichtet anschließend davon, wie sich der Stadtrat und die Verwaltung von Petershagen auf das IKEK vorbereitet hat. Im Mai letzten Jahres hatten sich die Ratsmitglieder an einem Intensivwochenende mit der Entwicklung der Gesamtstadt befasst und ihre Leitsätze für eine gute Entwicklung ausgearbeitet. Diese können als „Leitplanken“ der künftigen Entwicklung  gesehen werden. Der Stadtrat hat diese dann anschließend parteiübergreifend beschlossen.

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Anregungen in der Pause

Nach einer Pause, die mit anregenden Gesprächen gefüllt war, schließt sich Dipl. Ing. Hartmut Lüdeling von der ARGE Dorfentwicklung an. In seinem Vortrag erklärt er kurz was IKEK im Grunde bedeutet und wie man wann, wo und bei welchen Projekten Fördermittel  bekommen kann. Die Förderbedingungen haben sich gegenüber früheren Perioden deutlich verändert und so kommt es bei den späteren Projekten auf die Erreichung von möglichst hohem Mehrfachnutzen an. Reine Verschönerungsmaßnahmen ohne weiteren Mehrwert werden es im landesweiten Auswahlverfahren wohl schwer haben, in die Förderung zu kommen.

Auch uns Mitarbeitern der ARGE ist es sehr wichtig, den Prozess der IKEK bei den Wünschen, Ideen, Sorgen, Träumen der Bürgerinnen und Bürgern zu beginnen. Sie leben schließlich in den Dörfern, sollen sich wohlfühlen und ein wirkliches Miteinander aufbauen. Denn ein tragendes Netzwerk funktioniert auch in Zeiten der Not und im Alltag, wenn Hilfe gebraucht wird. In solch eine Situation kann jeder Mensch geraten und darum ist dieses Miteinander, hinweg über alle Grenzen und Befindlichkeiten, so wichtig. Ein Dorfladen, ein Bürgerbüro, ein Café o.ä. dient nicht nur der reinen Versorgung, sondern ist auch ein lebendiger Treffpunkt, der in den meisten Dörfern vor allem dann fehlt, wenn die letzte Kneipe ihre Türen geschlossen hat.

Besonders gerne laden wir Schulkinder und Jugendliche ein zu Projekten, die ihnen am Herzen liegen zu verwirklichen. Immer wieder ergeben sich auch super Möglichkeiten bei: Jung hilft Alt und Alt hilft Jung. Aus Träumen und Ideen Machbares gestalten und auf den Weg bringen, dabei unmöglich Erscheinendes hinten anstellen, aber nichts verlieren, das ist uns wichtig.

Die ARGE Dorfentwicklung begleitet alle Prozesse bis zur Reife, lässt kein Dorf „im Regen stehen“ und sieht sich als ein Bindeglied zwischen Stadtverwaltung, Bezirksregierung und Bürgern. Das unterstützen wir mit Herzblut und Freude.

Dorfentwicklung macht Sinn und lohnt sich

Wie wichtig das Miteinander, die Vernetzung und Betreuung in einem kleinen Dorf ist, zeigt Ute Kerlen aus Arminghausen auf. Sie sagt ganz klar: „Ohne die Begleitung der ARGE Dorfentwicklung hätten wir das allein nie hinbekommen“. Das alte Spritzenhaus sollte verkauft werden. Die Dorfgemeinschaft hat dies verhindern können und nun soll darin ein Dorfmittelpunkt- und treffpunkt entstehen. Die damaligen Leerstände gibt es nicht mehr und die Dorfbewohner feiern auf der Dorfwiese ihr „Dinner in Weiß“ oder andere Feste. Zwar gibt es nicht jedes Jahr in Dinner, erzählt Frau Kerlen, aber wichtig ist, dass der Zusammenhalt viel enger geworden ist. Etwas gemeinsam zu planen und zu verwirklichen darf auch ruhig Spass machen.

Darin sind sich übrigens alle Referenten einig, dass man bei den IKEK-Treffen Spass haben und auch nach getaner Arbeit feiern darf.

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Fragen und Antworten zum IKEK Petershagen
von rechts: Prof. Dr. Henning Austmann, Ute Kerlen, Michael Buhre, Bürgermeister Dieter Blume, Dipl. Ing. Hartmut Lüdeling

Wird das Konzept etwas bewegen?

In einer anschließenden Gesprächsrunde kommen natürlich Fragen zum geplanten Konzept und es wird die Sorge geäußert, dass diese neuen Ansätze wieder in der Schubladen landen. Sicherlich können nach langen gegenteiligen Erfahrungen dabei nicht alle Skepsis ausgeräumt werden, jedoch spricht für die Wertigkeit des IKEK, dass es am Ende in einen verbindlichen Ratsbeschluss mündet, der die Grundlage der städtischen Finanzplanung sein wird. Bürgermeister Blume kann schließlich damit überzeugen, dass bereits im aktuellen Haushaltsplanentwurf ein nennenswerter Betrag in 2017  für entsprechende Maßnahmen vorgesehen ist. Genau dies spricht gegen das Verschwinden in der Schublade!

Alles in Allem ist es ein sehr schöner Samstagvormittag. Wir nehmen den Funken der Begeisterung mit nach Hause. Auf die kommenden Veranstaltungen in Petershagen und seinen 29 Dörfern und Stadtteilen mit all seinen Bewohnern freuen wir uns ganz besonders.

Ingeborg M. Lüdeling

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