IKEK: Petershagen und seine 29 Dörfer enkeltauglich machen!

Am Samstag den 14.01.17 startete die Stadt Petershagen in der Sekundarschule Lahde mit einer Auftaktveranstaltung in den öffentlichen Teil der Aufstellung eines IKEK (Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept). Petershagen liegt im nordöstlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen, hat zur Zeit 26.000 Einwohner, die sich auf 212 Quadratkilometer Fläche und 29 Dörfer und Stadtteile verteilen. Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist 2 1/2 Fahrstunden entfernt, Hannover in Niedersachsen jedoch nur 50 Minuten.

Nachdem im Oktober 2016 der Bewilligungsbescheid der Bezirksregierung Detmold vorlag, wurde ARGE Dorfentwicklung aufgrund einer Ausschreibung mit der Betreuung und Durchführung des IKEK beauftragt.

Hier der Bericht von der spannenden Veranstaltung:

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Michael Buhre stellt die Planungen der Stadt Petershagen vor

Natürlich stürzen wir uns voller Begeisterung in die Vorbereitungen. Zu unserer Freude wurden Frau Ute Kerlen aus Arminghausen und Prof. Dr. Henning Austmann als Referenten und der ehemalige Mindener Bürgermeister Michael Buhre als Referent und Moderator gewonnen. Vorbildlich und punktgenau führt Herr Bürgermeister Dieter Blume durch das Programm.

Nun ist es soweit, die Schule füllt sich trotz der frühen Morgenstunde mit fast 200 Bürgerinnen und Bürger aus Petershagen und seinen dazugehörenden Dörfern. Herr Bürgermeister Blume begrüßt alle Gäste und die Referenten.

Für eine Kultur des Mitmachens und Anpackens

Nun bekommt Prof. Dr. Henning Austmann das Mikrofon und der Funke der Begeisterung springt schnell über. Sehr authentisch, mit viel Engagement und Freude nimmt er uns mit in den Prozess Dorfentwicklung in Flegessen, Hasperde und Klein Süntel. Henning Austmann ist Hochschulprofessor in Hannover, privat lebt er in Flegessen und dort ist er von Anfang an „Dorfentwickler“ und mitten drin in der „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“. Unabhängig von Alter, Beruf und Bildung werden alle Bürger immer wieder eingeladen. Ihre Ideen werden gehört und gewertschätzt, auch wenn sie noch so „versponnen“ sind. Erst einmal gibt es kein gut oder schlecht, kein richtig oder falsch, kein machbar oder verrückt. Alle Ideen und Träume sind willkommen. Sie werden zusammen getragen, um alle drei Dörfer enkeltauglich und zukunftssicher zu gestalten.

Prof. Dr. Austmann erzählt von vielen Wünschen und Träumen der Dorfbewohner, die in über 80 Projekten Eingang finden, darunter der Dorfladen „Das Süntellädchen“, eine Webseiten usw. Als nächstes Projekt soll das alte Pfarrhaus von Flegessen erworben und umgestaltet werden.

Natürlich gibt es auch nicht (oder noch nicht) umsetzbare Ideen. Dann braucht es Geduld und Flexibilität. Prof. Austmann ist besonders stolz darauf, dass bisher alle Projekte ohne Fördermittel allein durch das Engagement der Dorfbewohner realisiert wurden. Dazu braucht es allerdings die Begeisterung und den praktischen Gestaltungswillen der Bürgerinnen und Bürger.

Die mitreißende Freude, die immer wieder zwischen seinen Worten aufblitzt, greift Bürgermeister Blume auf. Er wünscht sich für Petershagen und seine Dörfer auch so ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, wo alle zum Wohle aller mittun.

Der Stadtrat sieht die Chancen des IKEK

Michael Buhre berichtet anschließend davon, wie sich der Stadtrat und die Verwaltung von Petershagen auf das IKEK vorbereitet hat. Im Mai letzten Jahres hatten sich die Ratsmitglieder an einem Intensivwochenende mit der Entwicklung der Gesamtstadt befasst und ihre Leitsätze für eine gute Entwicklung ausgearbeitet. Diese können als „Leitplanken“ der künftigen Entwicklung  gesehen werden. Der Stadtrat hat diese dann anschließend parteiübergreifend beschlossen.

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Anregungen in der Pause

Nach einer Pause, die mit anregenden Gesprächen gefüllt war, schließt sich Dipl. Ing. Hartmut Lüdeling von der ARGE Dorfentwicklung an. In seinem Vortrag erklärt er kurz was IKEK im Grunde bedeutet und wie man wann, wo und bei welchen Projekten Fördermittel  bekommen kann. Die Förderbedingungen haben sich gegenüber früheren Perioden deutlich verändert und so kommt es bei den späteren Projekten auf die Erreichung von möglichst hohem Mehrfachnutzen an. Reine Verschönerungsmaßnahmen ohne weiteren Mehrwert werden es im landesweiten Auswahlverfahren wohl schwer haben, in die Förderung zu kommen.

Auch uns Mitarbeitern der ARGE ist es sehr wichtig, den Prozess der IKEK bei den Wünschen, Ideen, Sorgen, Träumen der Bürgerinnen und Bürgern zu beginnen. Sie leben schließlich in den Dörfern, sollen sich wohlfühlen und ein wirkliches Miteinander aufbauen. Denn ein tragendes Netzwerk funktioniert auch in Zeiten der Not und im Alltag, wenn Hilfe gebraucht wird. In solch eine Situation kann jeder Mensch geraten und darum ist dieses Miteinander, hinweg über alle Grenzen und Befindlichkeiten, so wichtig. Ein Dorfladen, ein Bürgerbüro, ein Café o.ä. dient nicht nur der reinen Versorgung, sondern ist auch ein lebendiger Treffpunkt, der in den meisten Dörfern vor allem dann fehlt, wenn die letzte Kneipe ihre Türen geschlossen hat.

Besonders gerne laden wir Schulkinder und Jugendliche ein zu Projekten, die ihnen am Herzen liegen zu verwirklichen. Immer wieder ergeben sich auch super Möglichkeiten bei: Jung hilft Alt und Alt hilft Jung. Aus Träumen und Ideen Machbares gestalten und auf den Weg bringen, dabei unmöglich Erscheinendes hinten anstellen, aber nichts verlieren, das ist uns wichtig.

Die ARGE Dorfentwicklung begleitet alle Prozesse bis zur Reife, lässt kein Dorf „im Regen stehen“ und sieht sich als ein Bindeglied zwischen Stadtverwaltung, Bezirksregierung und Bürgern. Das unterstützen wir mit Herzblut und Freude.

Dorfentwicklung macht Sinn und lohnt sich

Wie wichtig das Miteinander, die Vernetzung und Betreuung in einem kleinen Dorf ist, zeigt Ute Kerlen aus Arminghausen auf. Sie sagt ganz klar: „Ohne die Begleitung der ARGE Dorfentwicklung hätten wir das allein nie hinbekommen“. Das alte Spritzenhaus sollte verkauft werden. Die Dorfgemeinschaft hat dies verhindern können und nun soll darin ein Dorfmittelpunkt- und treffpunkt entstehen. Die damaligen Leerstände gibt es nicht mehr und die Dorfbewohner feiern auf der Dorfwiese ihr „Dinner in Weiß“ oder andere Feste. Zwar gibt es nicht jedes Jahr in Dinner, erzählt Frau Kerlen, aber wichtig ist, dass der Zusammenhalt viel enger geworden ist. Etwas gemeinsam zu planen und zu verwirklichen darf auch ruhig Spass machen.

Darin sind sich übrigens alle Referenten einig, dass man bei den IKEK-Treffen Spass haben und auch nach getaner Arbeit feiern darf.

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Fragen und Antworten zum IKEK Petershagen
von rechts: Prof. Dr. Henning Austmann, Ute Kerlen, Michael Buhre, Bürgermeister Dieter Blume, Dipl. Ing. Hartmut Lüdeling

Wird das Konzept etwas bewegen?

In einer anschließenden Gesprächsrunde kommen natürlich Fragen zum geplanten Konzept und es wird die Sorge geäußert, dass diese neuen Ansätze wieder in der Schubladen landen. Sicherlich können nach langen gegenteiligen Erfahrungen dabei nicht alle Skepsis ausgeräumt werden, jedoch spricht für die Wertigkeit des IKEK, dass es am Ende in einen verbindlichen Ratsbeschluss mündet, der die Grundlage der städtischen Finanzplanung sein wird. Bürgermeister Blume kann schließlich damit überzeugen, dass bereits im aktuellen Haushaltsplanentwurf ein nennenswerter Betrag in 2017  für entsprechende Maßnahmen vorgesehen ist. Genau dies spricht gegen das Verschwinden in der Schublade!

Alles in Allem ist es ein sehr schöner Samstagvormittag. Wir nehmen den Funken der Begeisterung mit nach Hause. Auf die kommenden Veranstaltungen in Petershagen und seinen 29 Dörfern und Stadtteilen mit all seinen Bewohnern freuen wir uns ganz besonders.

Ingeborg M. Lüdeling

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Unser Dorf hat Zukunft!

Veranstaltung am 8.12.2016 in Müllheim-Britzingen

Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wirft auch im Südwesten Deutschlands seine Schatten voraus. Der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauck, ist Schirmherr einer landesweiten Veranstaltungsreihe, die die aktiven Dorfgemeinschaften in Baden-Württemberg für eine Teilnahme an dem Dorfwettbewerb im nächsten Jahr begeistern wollen.

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Vortrag Britzingen © Manuela Heyd

Uns hat gefreut, dass die Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg den Geschäftsführer der ARGE Dorfentwicklung, Hartmut Lüdeling in den badischen Weinort Müllheim-Britzingen eingeladen hat, auf einer dieser Veranstaltungen einen Fachvortrag zur Nachhaltigen Dorfentwicklung zu halten.

Der Dorfwettbewerb

Dr. Konrad Rühl vom Ministerium erinnert in seinem Grußwort an die Geschichte des Wettbewerbs, der 1961 als Dorfverschönerung-Wettbewerb begann und sich heute unter dem Motto: „Unser Dorf hat Zukunft“ mehr der Gesamtentwicklung der Dörfer befasst. Es geht um die Interessen der Dörfer und da sei der kommende Wettbewerb eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und Erreichtes und künftige Planungen zu präsentieren. Ziel dieser Veranstaltung sei es, das bisherige niedrige Beteiligungsniveau anzuheben, da sich in der vergangenen Periode landesweit nur 50 Dörfer beworben hatten. Frau Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich aus Müllheim schließt sich an und gibt einen kurzen Überblick aus ihrer Sicht über die Ergebnisse und Visionen der Stadt Müllheim und ihrer Ortsteile.

Förderregelungen in Baden-Württemberg

Interessant sind die Förderbedingungen, mit denen Baden-Württemberg die ländliche Entwicklung vorantreiben möchte. Markus Weißer vom Referat 32 der Bezirksregierung Freiburg beschreibt die verschiedenen Förderinstrumente. Schwerpunkt ist das Programm ELR, das mit 52 Mio € allein aus Mitteln des Landeshaushalts finanziert wird. Zusätzlich werden EU-Mittel für das Programm MEPL zur Kofinanzierung eingesetzt. Aus diesem Budget stehen für das bekannte LEADER-Programm 12 Mio € für den Zeitraum 2014 – 2020 zur Verfügung. Der Ländliche Raum umfasst im Bundesland 69 % der Fläche und 35 % der Bevölkerung.

(Zum Vergleich umfasst der Ländliche Raum in Nordrhein-Westfalen 86 % der Fläche und es leben dort 46 % der Bevölkerung. Der vergleichbare Förderanteil beträgt 83 Mio €, kofinanziert durch EU-Mittel. Dazu kommen die Mittel aus dem LEADER-Programm .— eigene Ermittlungen)

DORV-Projekte

Der Architekt Jürgen Lauten, zugleich Ortsvorsteher aus Bühl-Eisental, berichtet von einem erfolgreichen Modell der Nahversorgung auf bürgerschaftlicher Basis, dem „DORV-Zentrum“ als Projekt für Menschen und Lebensräume. DORV steht dabei für Dienstleistung und Ortsnahe Rundum-Versorgung. Ziel dieser Projekte ist, nicht nur die dörfliche Grundversorgung mit Lebensmitteln im Ort zu sichern, sondern auch die anderen Bedürfnisse wie sozial-medizinische Versorgung, Behörden-, Post-, Bank,- Reinigungs- und andere Dienstleistungen auf machbarem Niveau gebündelt anzubieten. Darüberhinaus ist es wichtig, Räume für ein Miteinander und Kulturangebote zu vernetzen.

Herr Lauten berichtet begeistert von bürgergeplanten und umgesetzten Dorfläden, in denen auch Kinder wieder lernen können einzukaufen und die helfen, dass Menschen möglichst lebenslang in der gewohnten sozialen Umgebung selbstbestimmt leben können.

Nachhaltige Dorfentwicklung

Über die Erfahrungen der ARGE Dorfentwicklung bei der Erarbeitung eines nachhaltigen Dorfentwicklungskonzepts berichtet Hartmut Lüdeling unter dem Motto: „Gemeinsam mit Bürgern starke Dörfer schaffen“.

Dörfer sind kein Auslaufmodell sondern auch in größeren Gemeinden wichtige Zellen eines großen Organismus. Eine nachhaltige Dorfentwicklung stärkt in besonderer Weise das größere Ganze. Die Verteilung der Altersjahrgänge (Demographiebaum) ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Beurteilung der Ausgangssituation. Gut ablesbar sind bei den meisten Dörfern die Zu- und Wegzüge der jungen Erwachsenen im Zuge deren Ausbildung. Meist sind es die jungen Frauen, die zuerst zum Studienort umziehen, ein paar Jahre versetzt folgen ihnen die jungen Männer. Dramatisch ist in vielen Orten, dass die Altersjahrgänge ab 90 unterrepräsentiert sind. Obwohl die meisten Deutschen in den eigenen vier Wänden alt werden möchten, ist leider das genaue Gegenteil Alltagsrealität: Der Lebensabend wird in einem Pflegeheim verbracht, das meist in andern Orten liegt.

Zur Nachhaltigkeit gehört, nicht nur das Dorf als Siedlung zu betrachten, sondern auch seinen gesamten Lebensraum, beispielsweise die gesamte Gemarkung. Am vorgestellten Beispiel wird oft schnell klar, dass die zur Verfügung stehende Fläche knapp ist. Allein 2.500 qm benötigt jeder Deutsche durchschnittlich für seine Ernährung, ca. 13.000 qm, wenn er in einem Haus mit Wärmedämmstandard 1985 mit Holz die Zentralheizung betreibt und der benötigte Wald nachhaltig bewirtschaftet ist. Das bedeutet, dass die Nutzung natürlicher Ressourcen ab mehr als 60 Einwohner/qkm schon eng wird und es deshalb überlebenswichtig ist, mit Grund und Boden sorgfältig umzugehen.

Die Nachhaltigkeit beruht auf 3 Säulen: Soziales, Natur und Wirtschaft, wobei die sozialen Beziehungen Motoren der Entwicklung sind. Deshalb ist die wichtigste Grundlage der Dorfkonzepte die aktive Bürgerplanung, also die Planung von unten (Bottom up). Gemeinsam werden die einzelnen Projekte erarbeitet und später auch gemeinsam umgesetzt. Häufige Projekte sind Dorftreffpunkt, Dorfbüro und Bürgernetzwerk, Dorfcafé mit Dorfladen. Zusammen mit dem Wunsch nach schnellem Internet steht also die Kommunikation und das Gemeinschaftserleben im Vordergrund.

Der Ablauf eines Entwicklungskonzeptes umfasst die wesentlichen Schritte 1. Dorfrundgang, 2. Dorfwerkstatt mit Stärken, Schwächen und Projektideen, 3. Arbeitskreise/Projektgruppen mit Leitbild, Vernetzung/Mehrfachnutzen und Projektsteckbriefen und 4. Bürgerplanungsrunde mit der Abstimmung Leitbild und der Priorisierung der Projekte und 5. eine Abschlussfeier. Im Hintergrund bleibt natürlich die schriftliche Erarbeitung des Konzepts, die Abstimmung mit Planungsträgern und zum Abschluss der wichtige Beschluss der Gemeinde, das fertige Konzept als Entwicklungsgrundlage anzunehmen.

Besondere Beachtung bekommt die Mitte des Dorfes und wenn es keine gibt, eine solche zu schaffen. Von einer starken Mitte profitiert auch die Umgebung und genau dies ist mit der von den ländlichen Entwicklungsprogrammen geforderten Innenentwicklung gemeint.

Wie solche Dorfmitten gestaltet werden können, zeigt der Landschaftsarchitekt Dietmar Herz mit den Arbeiten seines Architekturbüros aus Baden Baden unter der Überschrift: Dörfliche Freiräume gestalten, ein Beitrag zu mehr Lebensqualität.

Der DORV-Laden in Britzingen

Nach Beendigung des Programms gab es noch die Gelegenheit, den an den Vortragsraum angrenzenden DORV-Laden zu besichtigen. Dieser großzügig angelegte Raum lädt mit seiner Gemütlichkeit zum Verweilen ein und mit seiner Vielfalt zum Einkaufen. Die freundliche Bedienung hilft gern, die Waren in die Kasse zu tippen oder zu beraten, wenn Fragen auftauchen.

Die Atmosphäre ist angenehm und erinnert an einen Tante Emma Laden, nur ist jetzt alles moderner.

Bereichert fahren wir nach Hause und werden noch lange diesen Tag in guter Erinnerung behalten.

Danke noch mal an die Einlader/innen und an die Helfer im Hintergrund.

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Solidarische Ökonomie – Modell für Dörfer und Regionen

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Foto: Paul Israel Singer (Quelle: ANTONIO CRUZ-ABR ; Antonio Cruz/ ABR / CC-by-sa-3.0 Brazil)

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem ländlich geprägten Ort einer strukturschwachen Region und der letzte große Arbeitgeber ist von der Pleite bedroht – das übliche Szenario wäre hier eine Wandlung zum Schlafdorf und langfristig der schleichende Niedergang des Dorfes durch den Wegzug junger Familien. Doch nun geschieht etwas bisher unvorstellbares – die Angestellten, die bislang um ihren Arbeitsplatz bangen mußten, werden plötzlich zu Eigentümern des Unternehmens, die damit ihre eigene Zukunft in die Hand nehmen.

Angesichts schrumpfender Infrastruktur und alarmierender Arbeitsplatzentwicklung in ländlichen Räumen lohnt es sich, die Aufmerksamkeit auf ein Wirtschaftsmodell zu lenken, das sich vor allem in Lateinamerika schon lange Zeit erfolgreich bewährt hat und auch als Vorbild für europäische Regionen taugen könnte. Ein Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 03. August mit Paul Israel Singer beleuchtete anschaulich, wie ein solches Wirtschaften funktionieren und ganze Landesteile vor dem ökonomischen Niedergang bewahren kann. Singer ist als Staatssekretär bei der brasilianischen Regierung Berater für solidarische Ökonomie, die sich dort während der Rezession in den 80er Jahren ausbreitete und mittlerweile einen Anteil von 3 % an der gesamten Wirtschaftsleistung einnimmt.

Das Prinzip ist auf allen Ebenen auf einen einfachen Nenner zu bringen: Kooperation statt Konkurrenz – und dies gilt sowohl betriebsintern als auch im Zusammenspiel der Betriebe untereinander. Gerade für Unternehmen, die von der Pleite bedroht sind, und wo daher die Belegschaft angesichts der wirtschaftlichen Situation zu größeren Zugeständnissen bereit ist, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern, kann dieser genossenschaftliche Weg die langfristig tragbarste Lösung sein, da kurzfristige Gewinninteressen hier für die Strategie keine Rolle mehr spielen.

Ob es sich um Produktionsgenossenschaften sein, die ihre Produkte untereinander austauschen oder um ehemalige Staatsbetriebe, die in Gemeinschaftseigentum überführt werden – entscheidend ist bei diesem Weg, dass das Interesse der Belegschaft vor dem Interesse der Banken rangiert, das Überleben des gesamten Unternehmens hat Vorrang vor Kapitalinteressen. So werden die Beschäftigten von abhängigen Lohnempfängern zu mitbestimmenden Genossen – dies bringt auch mehr Verantwortung und Mitbestimmung für das Personal mit sich und ist daher nicht überall selbstverständlich. Wenn jedoch der Beschäftigte gleichzeitig Eigentümer ist, hat er ein vitales Interesse daran, was im Unternehmen vor sich geht, man spricht hier von einer Interessen-Konvergenz.

Es liegt in der Natur der Sache, dass hier als Partner aus dem Finanzsektor hauptsächlich Institute der solidarischen Finanzwirtschaft infrage kommen, so z.B. Gemeindebanken, die sich im Besitz der Bewohner befinden. In Dörfern, wo sich bereits Gemeinschafts-Einrichtungen in Genossenschaftshand befinden oder ganze Dorfgenossenschaften ins Leben gerufen wurden, können diese Erfahrungen an weitere Wirtschaftszweige weitergegeben werden, wenn es darum geht, Arbeitsplätze und damit junge Familien am Ort zu halten. Mögen solche Beispiele weiter Schule machen und den ländlichen Raum am Leben erhalten – und damit möglichst viele ländliche Orte vor dem Schicksal eines Schlafdorfes bewahren!

Quelle: Südeutsche Zeitung; http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/paul-israel-singer-solidarische-oekonomie-ist-die-waehrung-der-arbeitslosen-1.2593270

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LEADER-Regionen in NRW ausgewählt

Am 21.05.2015 hat das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz die 28 Regionen bekannt gegeben, die künftig an dem LEADER-Programm der Förderperiode 2014 – 2020 teilnehmen. Insgesamt 75 Millionen Fördermittel stehen diesen Regionen zur Verfügung. Vorausgegangen war ein Wettbewerb, an dem sich 43 Regionen beteiligt hatten.

Wir beglückwünschen dazu alle Regionen, die zu den glücklichen Gewinnern gehören. Besonderer Dank gilt natürlich allen Beteiligten der Region „3 L in Lippe“ (Lage, Lemgo, Leopoldshöhe), deren großes Engagement unser Büro zusammen mit bzr, Bochum, begleiten durfte und die sich in Ostwestfalen neben dem „Kulturland Kreis Höxter„, „Nordlippe“ und „Südliches Paderborner Land“ als LEADER-Region erfolgreich qualifizieren konnten.

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Karte der LEADER-Regionen NRW 2014 – 2020

Mit den Fördermitteln können die LEADER-Regionen Projekte im ländlichen Raum realisieren, die in den jeweiligen „regionalen Entwicklungskonzepten“ beschrieben und begründet wurden. Wesentliche Hilfe wird dabei ein professionell eingerichtetes „Regionalmanagement“ leisten.

Weitere Infos finden Sie auf der Seite des NRW-Ministeriums. Die vollständige Karte der LEADER-Regionen mit ihren Namen finden Sie hier.

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IKEK oder DIEK?

Oh je, schon wieder neue Akü’s (Abkürzungen) in der Dorfentwicklung! Das sollte uns jedoch nicht abschrecken. Tatsächlich verbergen sich hinter diesen Kürzeln interessante Möglichkeiten für kleine Städte und Gemeinden, eine sinnvolle und finanzierbare Zukunftsentwicklung voranzutreiben. Mit Veröffentlichung des Dorferneuerungsprogramms 2018 werden die Erstellung dieser Konzepte nicht mehr gefordert und bis auf Weiteres auch nicht gefördert.

DIEK = Dorfinnenentwicklungskonzept

In Nordrhein-Westfalen gab es diese Art des Konzepts schon in der Förderperiode 2007 – 2013. Sie bezieht sich auf Dorf oder einen ländlich geprägten Ortsteil und sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Analyse des Bestandes (Bevölkerungsentwicklung, Baulücken, Gebäudeleerstand, Infrastruktur)
  • Aussagen zur funktionellen Stellung des Dorfes innerhalb der Gemeinde
  • Stärken-Schwächen-Analyse
  • Ableitung des Handlungsbedarfes
  • Darstellung der Entwicklungsziele und Leitprojekte
  • Erarbeitung des Konzeptes unter Beteiligung der Bevölkerung vor Ort unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung und der Reduzierung der Flächeninanspruchnahme.

IKEK = Integriertes kommunales Entwicklungskonzept

Diese Konzeptart ist in Nordrhein-Westfalen neu. Die Länder Hessen und Sachsen-Anhalt haben diese Konzeptart eingeführt und bereits flächendeckend erste Erfahrungen damit gemacht. Wesentlicher Unterschied zum DIEK ist, dass sich das IKEK auf das gesamte Gebiet der jeweiligen Gemeinde bezieht oder zumindest mehrere zusammenhängende  Ortsteile der Gemeinde umfasst. Es empfiehlt sich die Beteiligung von Organisationen, Verbänden, Verwaltungen, Vereinen sowie Bürgerinnen und Bürger. Ein IKEK sollte folgende Punkte enthalten:

  • Bevölkerungsstrukturen der Gesamtkommune und der einzelnen Ortsteile (bisherige Entwicklung, Altersstruktur und Prognose)
  • Aussagen zur städtebaulichen Entwicklung, ebenfalls für die Gesamtkommune und einzelne Ortsteile (Baugebiete, Leerstand, Baulücken)
  • Aussagen zur sozialen und technischen Infrastruktur
  • Profile der einzelnen Ortsteile mit Stärken-Schwächen, Einschätzung der Zukunftsfähigkeit und deren Beitrag zur gesamtkommunalen Entwicklung)
  • Gesamtkommunale Stärken- und Schwächen-Analyse
  • Definition von gesamtkommunalen und lokalen Schwerpunkten / Handlungsfeldern
  • Darstellung der Entwicklungsziele und Leitprojekte.

IKEK’s werden von Stellen außerhalb der Verwaltung erarbeitet, die eine hinreichende Qualifikation nachweisen müssen. Für die Erarbeitung hat das hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung 2012 einen umfassenden Leitfaden erstellt.

Quellen / Weiterführende Informationen:

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Kommunale Intelligenz

Kommunale Intelligenz bedeutet, den wahren Schatz aller Dörfer, Ortsteile, Gemeinden und Städte zu heben: die in die Gemeinschaft hineinwachsenden Kinder und Jugendlichen, deren Begabungen und Talente es zu entdecken und zu entfalten gilt. Wie diese Potenzialentfaltung gelingen kann, verriet der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther am 7. Mai 2013 im Gespräch mit Holger Noltze.

Ich möchte Ihnen sehr dieses absolut sehenswerte Interview ans Herz legen. Genau hier werden die wirklich wichtigen Grundlagen einer nachhaltigen Dorf-, Quartiers- und Stadtentwicklung angesprochen.

 

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Mehr Einsatz wagen

Die Zeitschrift oya – anders denken.anders leben hat in ihrer Ausgabe März/April 2015 ein Interview in Barleben mit dem Bürgermeister, dem Leiter des Vereins Mehrgenerationenzentrum und dem Geschäftsführer der ARGE Dorfentwicklung, Hartmut Lüdeling veröffentlicht.

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© Foto: thomas zaschke

Die Chefredakteurin Lara Mallien und der Herausgeber der Zeitschrift, Johannes Heimrath befragten die drei Teilnehmer zu ihren Erfahrungen mit dem bürgerschaftlichen  Engagement in der Entwicklung von Dörfern und Quartieren im ländlichen Raum. Dabei wird deutlich, dass sich im Grunde nur etwas bewegt, wenn es aus der Bürgerschaft – quasi von unten heraus – kommt. Die Ergebnisse von Dorfentwicklungsprozessen, in denen die Bürgerschaft unter fachkundiger Beratung ihre Vorstellungen und Wünsche an die Zukunft eingebracht hat, werden meist von der Politik einstimmig begrüsst und angenommen. Im Gegensatz dazu wird das selbe Gremium bei gut gemeinten Vorschlägen von einzelnen manchmal als „Verhinderungsrat“ empfunden. Grund dafür sind zuweilen Querelen zwischen Parteien oder Interessengruppen, die sich auf einzelne Sachentscheidungen auswirken.

Hartmut Lüdeling hält deshalb Ideen- oder Dorfwerkstätten für ein geeignetes Mittel, Bürgerwünschen mehr Gewicht zu verleihen. Kommunen können durch das verstärkte Bürgerengagement zudem auch Geldmittel einsparen, da gerade in den Dörfern häufig nur unterstützende Hilfen gebraucht werden. Im Vordergrund steht meist ein hohes Maß an Eigeninitiative. Ein Gemeinderat ist also klug beraten, wenn er diese Dorfwerkstätten fördert, beispielsweise durch eine kompetente Begleitung eines „Kümmerers“ (Fachkraft für Regionalkompetenz).

Lesen Sie hier das Interview in voller Länge: mehr.

 

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Aus eigener Kraft – Energieautarkes Dorf in Brandenburg

Bildnachweis: Energiequelle GmbH

Bildnachweis: Energiequelle GmbH

Nur 145 Einwohner zählt das Örtchen Feldheim im südwestlichen Brandenburg. Als bundesweit erstes energieautarkes Dorf erzeugt der Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen seine Energie direkt und zu 100 % CO2-neutral. Damit ist Feldheim inzwischen weit über seine Grenzen hinaus bekannt geworden und lockt zahlreiche Besuchergruppen an.

Vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner selbst zahlt sich die energetische Selbständigkeit in barer Münze aus. So beträgt der Strompreis für eine Kilowattstunde nur 16,6 Cent. Im bundesweiten Vergleich werden laut Vergleichsportal Verivox im Durchschnitt 28,5 Cent je kw/h gezahlt. Zusätzlich sparen sich die Feldheimer auch noch Stromsteuer und EEG-Umlage, da der Ort sein eigenes Stromnetz besitzt.

Windpark und Biogasanlage vor Ort

Alles begann 1998 mit einem Windpark, der heute 43 Anlagen umfasst. 74,1 Megawatt werden hier erzeugt, von dem nur 1 % für den Eigenverbrauch benötigt werden. Als dann auch noch der örtliche Betreiber Engergiequelle GmbH eine Fabrik für Nachführtechnik von Solaranlagen aufbaute, war direkt vor Ort ein industrieller Abnehmer für  Strom – und auch für Nahwärme vorhanden.

Diese Nahwärme liefert seit 2008 eine Biogasanlage der ebenfalls ortsansässigen Agrargenossenschaft. Damit war im wahrsten Sinne des Wortes der Weg nicht weit, auch die Bürgerinnen und Bürger Feldheims an das Nahwärmenetz anzuschließen. Interesse und Akzeptanz im Dorf waren von Anfang groß. Bis auf zwei Haushalte machten alle mit.

Der Schritt zum eigenen Stromnetz

Mit dem Anrollen der Bagger, die für das Nahwärmenetz Trassen durch das Dorf ziehen mussten, wurde der Gedanke geboren, gleich die Kabel für ein eigenes Stromnetz mitzuverlegen. Gesagt, geplant, getan! Neben Krediten und EU-Fördermitteln wurde das bürgereigene Netz von jedem Haushalt mit 1.500 € für Wärme und weiteren 1.500 € für Strom mitfinanziert.

Da der bestehende Energieversorger sein Netz nicht an die findigen Feldheimer abtreten wollte, liegen im Dorf nun sogar zwei Stromnetze. Und doch rechnet sich der Schritt zum eigenen Netz für die Brandenburger, denn umgerechnet 300.000 € Gewinn, den zuvor E.ON als alleiniger Netzbetreiber einstrich, verbleiben nun im Dorf.

Unterm Strich geht die Rechnung für die Feldheimer gleich mehrfach auf. Neben ökonomischer und  ökologischer Wertschöfpung, sind auch 20 neue Arbeitsplätze und Neuansiedlungen im Dorf zu verzeichnen. So zahlt sich Bürgerengagement nachhaltig aus.

Quelle: Suedeutsche.de, 4. Juli 2014, „Autarkes Dorf Feldheim – Mit eigener Energie“; http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/autarkes-dorf-feldheim-mit-eigener-energie-1.2017641

Hinweis: TV-Beitrag zu Feldheim in der 3sat-Mediathek: http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=31161

 

 

 

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Dorf-Websites gehen an den Start

Aktuelle Fotos und Berichte, Termine und Dateien zum Download, Protokolle und Pressespiegel – dieses und mehr rund um den Dorfentwicklungsprozess bieten die aktuellen Websites aminghausen.net und suenninghausen.net. Doch damit nicht genug: Zukünftig können die Akteure vor Ort diese Plattform in Eigenregie fortführen. Ob mit einem zentralen Kalender aller dörflicher Aktivitäten, Vor- und Nachberichten im Sinne einer Online-Dorfzeitung oder als Zugang zu den Vereinen und Gruppen am Ort – die Anwendung bietet weitreichende Möglichkeiten, das Dorfleben abzubilden und zugleich zu beleben.

Möglich macht dies ein modernes Content-Management-System im Hintergrund, dass auch ohne  Spezialwissen das „Füttern“ der Website mit Inhalten möglich macht. Dabei können verschiedene Akteure für unterschiedliche Seiten autorisiert werden und dort Inhalte einpflegen wie Texte, Termine oder Fotos. Unterm Strich wird so verteilt auf mehrere Schultern das lebendige Dorfleben durch die Aktiven abgebildet, ohne einen einzelnen Akteur mit dem kompletten Betrieb der Dorf-Homepage zu überlasten.

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Beispiel für ein gemeinschaftliches Bürgerprojekt in der Dorfentwicklung: Sanierung des Pastorenteichs in Alswede

Im Jahr 2012 konnten die Bewohner von Alswede bei Lübbecke unter Beweis stellen, was sie gemeinschaftlich auf die Beine stellen können, wenn es darum geht, ihrem Dorf ein Stück Lebensqualität zurückzugeben: Aus einem verwilderten und etwas vergessenen Tümpel am Rande des Dorfes wurde eine kleine Oase für Dorfbewohner und Naherholungssuchende.

Der Pastorenteich vor der Sanierung

Der Pastorenteich vor der Sanierung

Der heutige Pastorenteich beim Alten Pfarrhaus Alswede war dort 1985  auf einem kleinen Teilbereich des älteren, nun verfüllten Pastorenteiches angelegt angelegt worden. Nachdem um das Jahr 2000 die letzte Freistellung von Gehölzen erfolgte, waren jedoch keine Pflegemaßnahmen mehr ergriffen worden, so dass dieser nun weitgehend von Erlen zugewachsen und durch den langjährigen Laubfall verschlammt war.

 

Im Rahmen der Dorfentwicklungsplanung für Alswede entstand die Idee, diesen Teich wieder in ein offenes Gewässer mit klarem Wasser und Erholungsqualität zu verwandeln. In Abstimmung mit der Kirchengemeinde Alswede als Eigentümer und dem CVJM als Pächter und Nutzer der Fläche sollte das wertvolle Kleingewässer durch Sanierende Maßnahmen wieder in einen Zustand versetzt werden, in dem es zusammen mit dem umgebenden Park und dem alten Baumbestand der schonenden Naherholung für die Dorfbewohner dienen kann.

 

Februar 2012: Der Teich wird freigestellt

Februar 2012: Der Teich wird freigestellt

 Dafür war es zuerst einmal nötig, Erlen und anderes Gehölz  mitsamt Wurzelstöcken zu roden, damit Sonne und Wind wieder an das Gewässer heran kommen und Beschattung und Laubfall das Leben im Teich nicht weiter beeinträchtigen: Im Spätwinter 2012 rückten die Alsweder mit Kettensägen dem Urwald zu Leibe, der sich inzwischen dort breitgemacht hatte, so dass nun die Bagger anrücken konnten.

Der entschlammte Pastorenteich im Sommer 2012

Der entschlammte Pastorenteich im Sommer 2012

Im nächsten Schritt erfolgten dann im Sommer, als der Wasserstand am niedrigsten war, die eigentlichen Erdbauarbeiten durch eine Landschaftsbau-Firma. Dazu gehörte das Abpumpen des Teichwassers und das Ausbaggern des Faulschlamms sowie eine Teichgrundsicherung.  Zur Sicherung der Uferbereiche wurden abschließend Röhrichtzonen angelegt, zur Wasserversorgung in den Sommermonaten wurde eine Brunnenpumpe mit Zulauf installiert.

September 2012: Der Teich wird bepflanzt

September 2012: Der Teich wird bepflanzt

Die Bepflanzung Uferbereiche und Teichböschungen wurde schließlich wieder gemeinschaftlich vorgenommen: An einem Wochenende im  September 2012 pflanzten die Alsweder über 800 Stauden, Röhrichtpflanzen, Gräser und Bodendecker sowie einzelne Ufergehölze und gaben dem Teich damit wieder ein Gesicht.

 

Die Pflege wird seitdem vorbildlich von der Dorfgemeinschaft Alswede übernommen, die auch die umgebenden Parkbereiche wieder liebevoll gestaltet hat. Der neue Erholungsort zog schließlich so viel Publikum an, dass im Alten Pfarrhaus nebenan ein Ausflugs-Cafe eröffnen konnte. Im Juni 2013 wurde der neue Pastorenteich im Rahmen des Alsweder Sommerfestes feierlich eingeweiht. Die Dorfgemeinschaft Alswede kann stolz sein auf ihre Leistung!

 

 

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