Mehr Einsatz wagen

Die Zeitschrift oya – anders denken.anders leben hat in ihrer Ausgabe März/April 2015 ein Interview in Barleben mit dem Bürgermeister, dem Leiter des Vereins Mehrgenerationenzentrum und dem Geschäftsführer der ARGE Dorfentwicklung, Hartmut Lüdeling veröffentlicht.

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© Foto: thomas zaschke

Die Chefredakteurin Lara Mallien und der Herausgeber der Zeitschrift, Johannes Heimrath befragten die drei Teilnehmer zu ihren Erfahrungen mit dem bürgerschaftlichen  Engagement in der Entwicklung von Dörfern und Quartieren im ländlichen Raum. Dabei wird deutlich, dass sich im Grunde nur etwas bewegt, wenn es aus der Bürgerschaft – quasi von unten heraus – kommt. Die Ergebnisse von Dorfentwicklungsprozessen, in denen die Bürgerschaft unter fachkundiger Beratung ihre Vorstellungen und Wünsche an die Zukunft eingebracht hat, werden meist von der Politik einstimmig begrüsst und angenommen. Im Gegensatz dazu wird das selbe Gremium bei gut gemeinten Vorschlägen von einzelnen manchmal als „Verhinderungsrat“ empfunden. Grund dafür sind zuweilen Querelen zwischen Parteien oder Interessengruppen, die sich auf einzelne Sachentscheidungen auswirken.

Hartmut Lüdeling hält deshalb Ideen- oder Dorfwerkstätten für ein geeignetes Mittel, Bürgerwünschen mehr Gewicht zu verleihen. Kommunen können durch das verstärkte Bürgerengagement zudem auch Geldmittel einsparen, da gerade in den Dörfern häufig nur unterstützende Hilfen gebraucht werden. Im Vordergrund steht meist ein hohes Maß an Eigeninitiative. Ein Gemeinderat ist also klug beraten, wenn er diese Dorfwerkstätten fördert, beispielsweise durch eine kompetente Begleitung eines „Kümmerers“ (Fachkraft für Regionalkompetenz).

Lesen Sie hier das Interview in voller Länge: mehr.

 

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Aus eigener Kraft – Energieautarkes Dorf in Brandenburg

Bildnachweis: Energiequelle GmbH

Bildnachweis: Energiequelle GmbH

Nur 145 Einwohner zählt das Örtchen Feldheim im südwestlichen Brandenburg. Als bundesweit erstes energieautarkes Dorf erzeugt der Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen seine Energie direkt und zu 100 % CO2-neutral. Damit ist Feldheim inzwischen weit über seine Grenzen hinaus bekannt geworden und lockt zahlreiche Besuchergruppen an.

Vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner selbst zahlt sich die energetische Selbständigkeit in barer Münze aus. So beträgt der Strompreis für eine Kilowattstunde nur 16,6 Cent. Im bundesweiten Vergleich werden laut Vergleichsportal Verivox im Durchschnitt 28,5 Cent je kw/h gezahlt. Zusätzlich sparen sich die Feldheimer auch noch Stromsteuer und EEG-Umlage, da der Ort sein eigenes Stromnetz besitzt.

Windpark und Biogasanlage vor Ort

Alles begann 1998 mit einem Windpark, der heute 43 Anlagen umfasst. 74,1 Megawatt werden hier erzeugt, von dem nur 1 % für den Eigenverbrauch benötigt werden. Als dann auch noch der örtliche Betreiber Engergiequelle GmbH eine Fabrik für Nachführtechnik von Solaranlagen aufbaute, war direkt vor Ort ein industrieller Abnehmer für  Strom – und auch für Nahwärme vorhanden.

Diese Nahwärme liefert seit 2008 eine Biogasanlage der ebenfalls ortsansässigen Agrargenossenschaft. Damit war im wahrsten Sinne des Wortes der Weg nicht weit, auch die Bürgerinnen und Bürger Feldheims an das Nahwärmenetz anzuschließen. Interesse und Akzeptanz im Dorf waren von Anfang groß. Bis auf zwei Haushalte machten alle mit.

Der Schritt zum eigenen Stromnetz

Mit dem Anrollen der Bagger, die für das Nahwärmenetz Trassen durch das Dorf ziehen mussten, wurde der Gedanke geboren, gleich die Kabel für ein eigenes Stromnetz mitzuverlegen. Gesagt, geplant, getan! Neben Krediten und EU-Fördermitteln wurde das bürgereigene Netz von jedem Haushalt mit 1.500 € für Wärme und weiteren 1.500 € für Strom mitfinanziert.

Da der bestehende Energieversorger sein Netz nicht an die findigen Feldheimer abtreten wollte, liegen im Dorf nun sogar zwei Stromnetze. Und doch rechnet sich der Schritt zum eigenen Netz für die Brandenburger, denn umgerechnet 300.000 € Gewinn, den zuvor E.ON als alleiniger Netzbetreiber einstrich, verbleiben nun im Dorf.

Unterm Strich geht die Rechnung für die Feldheimer gleich mehrfach auf. Neben ökonomischer und  ökologischer Wertschöfpung, sind auch 20 neue Arbeitsplätze und Neuansiedlungen im Dorf zu verzeichnen. So zahlt sich Bürgerengagement nachhaltig aus.

Quelle: Suedeutsche.de, 4. Juli 2014, „Autarkes Dorf Feldheim – Mit eigener Energie“; http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/autarkes-dorf-feldheim-mit-eigener-energie-1.2017641

Hinweis: TV-Beitrag zu Feldheim in der 3sat-Mediathek: http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=31161

 

 

 

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Dorf-Websites gehen an den Start

Aktuelle Fotos und Berichte, Termine und Dateien zum Download, Protokolle und Pressespiegel – dieses und mehr rund um den Dorfentwicklungsprozess bieten die aktuellen Websites aminghausen.net und suenninghausen.net. Doch damit nicht genug: Zukünftig können die Akteure vor Ort diese Plattform in Eigenregie fortführen. Ob mit einem zentralen Kalender aller dörflicher Aktivitäten, Vor- und Nachberichten im Sinne einer Online-Dorfzeitung oder als Zugang zu den Vereinen und Gruppen am Ort – die Anwendung bietet weitreichende Möglichkeiten, das Dorfleben abzubilden und zugleich zu beleben.

Möglich macht dies ein modernes Content-Management-System im Hintergrund, dass auch ohne  Spezialwissen das „Füttern“ der Website mit Inhalten möglich macht. Dabei können verschiedene Akteure für unterschiedliche Seiten autorisiert werden und dort Inhalte einpflegen wie Texte, Termine oder Fotos. Unterm Strich wird so verteilt auf mehrere Schultern das lebendige Dorfleben durch die Aktiven abgebildet, ohne einen einzelnen Akteur mit dem kompletten Betrieb der Dorf-Homepage zu überlasten.

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Beispiel für ein gemeinschaftliches Bürgerprojekt in der Dorfentwicklung: Sanierung des Pastorenteichs in Alswede

Im Jahr 2012 konnten die Bewohner von Alswede bei Lübbecke unter Beweis stellen, was sie gemeinschaftlich auf die Beine stellen können, wenn es darum geht, ihrem Dorf ein Stück Lebensqualität zurückzugeben: Aus einem verwilderten und etwas vergessenen Tümpel am Rande des Dorfes wurde eine kleine Oase für Dorfbewohner und Naherholungssuchende.

Der Pastorenteich vor der Sanierung

Der Pastorenteich vor der Sanierung

Der heutige Pastorenteich beim Alten Pfarrhaus Alswede war dort 1985  auf einem kleinen Teilbereich des älteren, nun verfüllten Pastorenteiches angelegt angelegt worden. Nachdem um das Jahr 2000 die letzte Freistellung von Gehölzen erfolgte, waren jedoch keine Pflegemaßnahmen mehr ergriffen worden, so dass dieser nun weitgehend von Erlen zugewachsen und durch den langjährigen Laubfall verschlammt war.

 

Im Rahmen der Dorfentwicklungsplanung für Alswede entstand die Idee, diesen Teich wieder in ein offenes Gewässer mit klarem Wasser und Erholungsqualität zu verwandeln. In Abstimmung mit der Kirchengemeinde Alswede als Eigentümer und dem CVJM als Pächter und Nutzer der Fläche sollte das wertvolle Kleingewässer durch Sanierende Maßnahmen wieder in einen Zustand versetzt werden, in dem es zusammen mit dem umgebenden Park und dem alten Baumbestand der schonenden Naherholung für die Dorfbewohner dienen kann.

 

Februar 2012: Der Teich wird freigestellt

Februar 2012: Der Teich wird freigestellt

 Dafür war es zuerst einmal nötig, Erlen und anderes Gehölz  mitsamt Wurzelstöcken zu roden, damit Sonne und Wind wieder an das Gewässer heran kommen und Beschattung und Laubfall das Leben im Teich nicht weiter beeinträchtigen: Im Spätwinter 2012 rückten die Alsweder mit Kettensägen dem Urwald zu Leibe, der sich inzwischen dort breitgemacht hatte, so dass nun die Bagger anrücken konnten.

Der entschlammte Pastorenteich im Sommer 2012

Der entschlammte Pastorenteich im Sommer 2012

Im nächsten Schritt erfolgten dann im Sommer, als der Wasserstand am niedrigsten war, die eigentlichen Erdbauarbeiten durch eine Landschaftsbau-Firma. Dazu gehörte das Abpumpen des Teichwassers und das Ausbaggern des Faulschlamms sowie eine Teichgrundsicherung.  Zur Sicherung der Uferbereiche wurden abschließend Röhrichtzonen angelegt, zur Wasserversorgung in den Sommermonaten wurde eine Brunnenpumpe mit Zulauf installiert.

September 2012: Der Teich wird bepflanzt

September 2012: Der Teich wird bepflanzt

Die Bepflanzung Uferbereiche und Teichböschungen wurde schließlich wieder gemeinschaftlich vorgenommen: An einem Wochenende im  September 2012 pflanzten die Alsweder über 800 Stauden, Röhrichtpflanzen, Gräser und Bodendecker sowie einzelne Ufergehölze und gaben dem Teich damit wieder ein Gesicht.

 

Die Pflege wird seitdem vorbildlich von der Dorfgemeinschaft Alswede übernommen, die auch die umgebenden Parkbereiche wieder liebevoll gestaltet hat. Der neue Erholungsort zog schließlich so viel Publikum an, dass im Alten Pfarrhaus nebenan ein Ausflugs-Cafe eröffnen konnte. Im Juni 2013 wurde der neue Pastorenteich im Rahmen des Alsweder Sommerfestes feierlich eingeweiht. Die Dorfgemeinschaft Alswede kann stolz sein auf ihre Leistung!

 

 

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Selbst ist das Dorf

Rietberg-Bokel. 93 Bürger hatten sich, trotz schönem Wetter, auf den Weg zur Gaststätte „Zum Doppe“ gemacht, um die Zukunft ihres Dorfes selber zu bestimmen. In der zweiten Bürgerplanungsrunde warteten 19 Hauptprojekte darauf, von ihren Projektgruppen vorgestellt zu werden.

2. Bürgerplanungsrunde, gespanntes Warten zu Beginn

Gespanntes Warten zu Beginn

Seit der ersten Bürgerplanungsrunde am 13. April hatten sich engagierte Bürger in 14 Arbeitskreissitzungen mit 11 Projektgruppen zusammen gefunden und für unterschiedlichste Themen Lösungen erarbeitet. Die Vielfalt, die die Bokeler dabei erreichten, überraschte die außenstehenden Beobachter sehr.

In 19 Maßnahmenplakaten waren die Projekte zusammengefasst. Die Bokeler waren aufgerufen, die einzelnen Maßnahmen zu bewerten. Dafür standen jedem 3 grüne Klebepunkte zur Verfügung, die wahlweise auf mehrere verteilt oder auch nur auf ein Plakat geklebt werden konnten. Das 20. Plakat war dem geplanten Leitspruch für Bokel vorbehalten. Hierfür konnte ein blauer Punkt in ein Zustimmungs- oder Ablehnungsfeld geklebt werden.

2. Bügerplanungsrunde, Begrüßung

Begrüßung durch die Ortsvorsteherin Judith Wulf

Pünktlich begrüßte die Bokeler Ortsvorsteherin Judith Wulf die Anwesenden und ließ den bisherigen Planungsprozess noch einmal Revue passieren. Hartmut Lüdeling und Helge Jung von der ARGE übernahmen dann die Moderation der Projektvorstellungen. Hyco Verhaagen leistete dabei logistische Unterstützung.

2. Bürgerplanungsrunde, Vorstellung der Dorfküche, Frau Stücker

Vorstellung der Dorfküche durch Johanna Stücker

Alle Maßnahmen sind Teil eines zusammenhängenden Gesamtkonzepts und weisen unterschiedlichen Nutzen in den verschiedenen Handlungsfeldern auf. Die zunächst vorgestellte Dorfküche soll beispielsweise mit frisch zubereitetem Essen für die Attraktivität der Grundschule und des Kindergartens sorgen. Sie soll aber auch für Senioren offen sein und auf Wunsch der heimischen Wirtschaft die Funktion der dort fehlenden Betriebskantine mit übernehmen.

Lageplan des Dorfgemeinschaftsgartens an der Grundschule

Lageplan des Dorfgemeinschaftsgartens an der Grundschule

Der Dorfgemeinschaftsgarten liefert später nicht nur frisches Gemüse und Obst an die Küche, er dient auch der Schule als Lehrgarten und führt die Schulkinder an die ursprüngliche Erfahrung einer Lebensmittelversorgung heran. Gleichzeitig können interessierte Senioren, die sich vielleicht in einer benachbarten neuen Wohnanlage (Projekt Wohnen 55+) kleinere Wohnungen ausgesucht haben, gemeinsam ihrem früheren Hobby der Gartenarbeit nachgehen und den Kindern vielleicht Tipps und Tricks zum Gemüseanbau verraten.

2. Bürgerplanungsrunde, Vortrag der Landjugend

Die Landjugend kümmert sich um einen Jugendtreff

Die Spielplätze sind in Bokel in einem guten Zustand, können aber in einigen Fällen optimiert werden. Die Projektgruppe möchte die Gestaltung des neu geplanten Platzes im Baugebiet Doppheide intensiv begleiten. Das Thema des Jugendtreffs ist da schon schwieriger zu lösen. Hier ist die Landjugend aktiv.

Die Gestaltung, Angebote und die Öffnungszeiten des Kindergartens waren ebenfalls ein Thema. Hier ist der örtliche Träger, der Bokeler Bürgerverein bereits sensibel und plant Verbesserungen und eine Erweiterung auf den U2-Bereich. Auch soll das vorhandene Spielgerät erneuert werden. Die dafür notwendigen Finanzmittel sollen durch Spenden, Sponsoren und Festaktivitäten aufgebracht werden.

2. Bürgerplanungsrunde, 92 interessierte Teilnehmer füllen den Saal "Zum Doppe"

93 Teilnehmer verfolgen die einzelnen Beiträge

Die geplanten grünen Ortseingänge dienen ebenfalls nicht nur dem Zweck, das Ortsbild zu verschönern. Sie schaffen einen unverwechselbaren Eindruck vom Dorf und dienen gleichzeitig der Verkehrssicherheit.

Der Bokeler Kanal ist in weiten Strecken nicht für die Allgemeinheit zugänglich. Hier einen Pattweg anzulegen, der für Spaziergänger als Rundwanderweg genutzt werden kann, erscheint vielen Bokelern eine gute Lösung.

2. Bürgerplanungsrunde in Bokel, Vorstellung Umbau Lannertstraße, Herr Strotmeier

Der Umbau der Lannertstraße wird die Trennwirkung im Dorf aufheben, ist sich Matthias Strotmann sicher

Der Umbau oder besser ein maßvoller Rückbau der Lannertstraße wurde ebenfalls als dringliches Projekt angesehen. Diese Kreisstraße lag früher wie die Landstraße Bokeler Straße am Ortsrand. Durch das neue Baugebiet Doppheide auf der anderen Seite der Straße fällt nun auf, dass die überbreite Fahrbahn bei Schulkindern und Erwachsenen zu Unsicherheiten führt. Durch verkehrsberuhigende Pflanzbeete kann diese trennende Wirkung abgemildert werden.

Von Anfang an wurde das Problem der schlechten Übertragungsraten bei der Breitbandversorgung in Bokel heiss diskutiert. Die Ortslage Bokel ist trotz flächendendeckender LTE-Versorgung im Umfeld tatsächlich so etwas wie ein von den Versorgern vergessener weißer Fleck auf der Landkarte. Die Projektgruppe hatte ermittelt, dass bereits seit 25 Jahren ein Leerrohr von Rietberg bis zum Ort ungenutzt im Boden liegt, durch das man bequem und kostengünstig ein Glasfaserkabel verlegen kann. Trotzdem schreiben die Vergaberichtlinien vor, dass zur Einrichtung einer flächendeckenden Versorgung zunächst per Fragebogen der Bedarf nach Übertragungsleistungen abgefragt werden muss. Die Initiative möchte sich hier einbringen und innerhalb der Bürgerschaft für einen verstärkten Rücklauf sorgen.

Der Weg zu einem Energiedorf soll in Bokel in Etappen vorgenommen werden. Als guten ersten Baustein ist der Betrieb einer nachbarschaftlich organisierten Energieanlage angedacht. Hier könnte ein kleines Blockheizkraftwerk Strom produzieren und die überschüssige Wärme im Sommer in einen Energiespeicher leiten. Zusammen mit einer interessierten Fachfirma möchte die Initiative eine Musterlösung berechnen und anschließend realisieren.

Die Idee eines Bürgerwindrades wurde ebenfalls vorgestellt und könnte für Bokel ein Modell sein, die unter Umständen geplanten Windkraftanlagen mit zu gestalten und als Dorf davon zu profitieren.

Aus einem Wunsch der Jugend heraus ist die Idee eines Wasserspielplatzes an der Ems entstanden. Hier könnte der Nachbau eines historischen Waschplatzes für zusätzliche Attraktivität sorgen.

Das Wohnen 55 + ist trotz relativ „junger Demografie“ in Bokel ein Thema. Das Ziel ist, ältere Menschen rechtzeitig eine Wohnanlage anzubieten, die ihnen ein sorgenfreies Alter in vertrauter Umgebung ermöglicht. Sinnvoll ist dabei die Verbindung mit dem wahrscheinlich in Kürze von der Stadt Rietberg geplante Programm „Jung kauft Alt“, durch das junge Familien Anreize bekommen, älteren Bokelern ihre zu groß gewordenen Häuser und Wohnungen abzukaufen. Bürgermeister Andreas Sunder sicherte jedenfalls zu, sich für die Einführung eines solchen Programms einzusetzen.

2. Bürgerplanungsrunde in Bokel, Vorstellung des Internetkonzeptes

Die Vorstellung des Internetportals für Bokel als Jugendprojekt durch Lukas Lose interessiert Bürgermeister Andreas Sunder besonders

Die Landjugend hatte spontan die Idee mitgetragen, für Bokel ein gemeinsames Internetportal einzurichten. Hierüber sollen sich die heimischen 85 Gewerbebetriebe vernetzen und für ihre Angebote werben. Wenn Jugendliche die Gestaltung der Startseite übernehmen und sie mit täglichen kleinen Neuigkeiten versehen, könnte daraus ein Projekt entstehen, das die Bokeler neugierig macht. Die erhöhten Besucherzahlen können dann für Werbeeinnahmen sorgen, die den jungen Redakteuren zugute kommen sollen.

". Bürgerplanungsrunde, Vor der Wahl gab es regen Diskussionsbedarf

Vor der Wahl gab es regen Diskussionsbedarf

Nach Abschluss der Vorstellung ergaben sich an den Tischen und an den Stellwänden mehrere Diskussionsrunden. Die Projektgruppen nutzten die Situation, um noch einmal Werbung für ihre Maßnahmen zu machen.

Am Ende waren schließlich 279 grüne Punkte vorschriftsmäßig geklebt. Die Breitbandversorgung mit 45 Punkten (16,13 %) belegte dabei den 1. Platz, dicht gefolgt von der Dorfküche (41; 14,70 %) und dem Umbau Lannertstraße (40; 14,34 %). Der Pattweg Bokeler Kanal erreichte 34 Punkte (12,19 %), der Kindergarten 29 (10,39 %), die Spielplätze 20 (7,17 %) und das Wohnen 55 + lag mit 16 Punkten und 5,73 % noch über dem Durchschnitt. Auch wenn die anderen Projekte nicht diese Stimmenzahl erhielten, werden sie mit in das Konzept aufgenommen und möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt auf die Tagesordnung gesetzt.

Ein eindeutiges Ergebnis wurde bei der Abstimmung über das künftige Leitmotto Bokels erzielt. Hier hatte es im Vorfeld eigentlich keine Alternativen gegeben, so dass der Slogan „SELBST IST DAS DORF“ zur Abstimmung gestellt wurde. Zusätzlich war die Erläuterung geplant: „B = bürgernah; O = optimistisch; K = kreativ; E = engagiert; L = Lebenswert“ und zur Abstimmung gestellt. Das Ergebnis war überwältigend: Es wurden 87 Punkte im Feld „Gefällt mir“ gezählt, 1 Punkt war als Enthaltung zu werten und das Feld „Gefällt mir nicht“ blieb komplett leer.

2. Bürgerplanungsrunde, Die Projektgruppe Nachbarschaftsenergie berät die nächsten Schritte

Die Projektgruppe Nachbarschaftsenergie bespricht bereits die nächsten Schritte mit Werner Doppmeier

Zum Abschluss dankte Bürgermeister Andreas Sunder und Ortsvorsteherin Judith Wulf allen Beteiligten für ihre aktive Mithilfe.

Ein reges Gespräch in kleiner Runde sorgte zum Abend hin für einen gemütlichen Ausklang.

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Deutschland repariert – wertschätzen statt wegwerfen

Selber reparieren macht unabhängig. Foto: © Stichting Repair Café Nederland

Selber reparieren macht unabhängig.
Foto: © Stichting Repair Café Nederland

Wir haben es fast verlernt, Dinge zu reparieren und damit ihren Wert für uns zu erhalten. Immer schneller landen Radio und Toaster im Elektroschrott. Und selbst das Flicken eines Fahrradschlauches bedeutet eine Herausforderung, der sich insbesondere die Jüngeren kaum mehr stellen. Doch es zeichnet sich ein Trend ab, weg vom Wegwerfen hin zum Instandsetzen. Deutschland repariert wieder.

Repair-Cafés sind ein Beispiel in dieser Richtung. Was 2009 in Amsterdam durch die Journalistin Martine Postma begann, hat auch bei uns Ableger gefunden. Mittlerweile 24 Repair-Cafés zählt die holländische Initiatorin allein in Deutschland. Im allerersten davon in Köln treffen sich heute bis zu 70 Leute um überwiegend Elektrogeräte in Stand zu setzen. Unter Hilfestellung von erfahrenen Technik-Freaks finden sich dabei die unterschiedlichsten Menschen zusammen und bringen ihre „Patienten“ mit. Die Motive sind sehr verschieden, so kommt der Student, der Geld sparen will oder aber der Rentner, der einfach nur Spaß am Basteln hat. Nicht zuletzt im gemeinsamen Arbeiten liegt für viele ein besonderer Reiz.

Wer alleine sein Reparatur-Glück versucht, kann im Internet brauchbare Hilfe finden. So bietet das Portal www.deutschland-repariert.de zahlreiche Infos rund ums Thema, von Reparaturanleitungen und Ersatzlisten für Elektrogeräte bis hin zu Handwerksbetrieben in der Region, die dann weiterhelfen, wenn Ersatzteile gebraucht werden oder das eigene Latein am Ende ist. Auch zahlreiche Bücher werden mittlerweile im „Repair-it-yourself-Trend“ verlegt.

Auch wenn nicht jede Reparatur Sinn macht, insbesondere wenn die Altgeräte wahre Stromfresser sind, so bietet dieser Trend doch oftmals einen nachhaltigen Mehrwert: Wirtschaftlich können wir uns einen Neukauf sparen, Ökologisch schonen wir unsere Ressourcen und auch im Sozialen liegt eine wichtige Botschaft:

Weg von der Wegwerfgesellschaft hin zur Wertschätzungsgesellschaft.

Verfasser: Ludger Schulte-Remmert

 

Quellen und weiterführende Informationen:

F.A.Z.; 17.08.2013; Der neue Bastelspaß – Selbst ist der Heimwerker;

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/der-neue-bastelspass-selbst-ist-der-heimwerker-12536477.html

Website Deutschland repariert: http://www.deutschland-repariert.de/

Website Repair Café: http://repaircafe.de/

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Stimmen für die Zukunft

Börninghausen/Eggetal. Mehr als 70 Bürger nahmen am Freitag, den 30.08.2013 in der Turnhalle der Grundschule Börninghausen ihre Zukunft in die Hand. In dieser weiteren Bürgerplanungsrunde sollten die Hauptprojekte des Dorfinnenentwicklungskonzeptes vorgestellt und bewertet werden.

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Über 70 interessierte Zuhörer verfolgten gespannt die Vorstellung der geplanten Projekte

Seit März hatte sich eine große Zahl engagierter Bürger zusammen mit dem Planungsbüro in 28 Sitzungen mit den unterschiedlichsten Themen und Problemen rund um das Eggetal befasst. Herausgekommen sind eine ganze Reihe von machbaren Lösungen, die Schritt für Schritt verwirklicht werden können. 20 dieser Vorschläge wurden nun in Plakatgröße den interessierten Eggetalern vorgestellt. Der Sprecher des Vereins „Wir im Eggetal“, Herr Jürgen Nenneker, fasste in seiner Begrüßung die wichtigsten Erkenntnisse der gemeinsamen Planungszeit mit seinen Höhen und Tiefen zusammen. Es sei eine Zeit mit sehr viel Engagement aller Beteiligten gewesen, hatten sich doch insgesamt 60 Bürgerinnen und Bürger in die verschiedenen Gruppen eingebracht und waren oft sogar mehrfach in unterschiedlichen Projekten aktiv. Der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters der Stadt Preußisch Oldendorf, Herr Marco Steiner erinnerte in seinem Grußwort ebenfalls an die Möglichkeiten, die sich sowohl für die Bürger als auch für die Stadt durch diesen offenen Planungsprozess ergeben.

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Projekte mit Mehrfachnutzen – übersichtlich markiert.

Die Planer der ARGE Dorfentwicklungsplanung hatten die konkreten Maßnahmen in Steckbriefform aufbereitet und stellten sie zusammen mit den einzelnen Sprechern der Projektgruppen vor. Jeder Steckbrief war mit einer farbigen Werteskala versehen, in der der Nutzwert symbolhaft dargestellt wurde. Dieser ist der Durchschnitt von Wertigkeitsprüfungen aus insgesamt 11 betrachteten Handlungsfeldern. Hartmut Lüdeling von der ARGE hob hervor, dass nur Maßnahmen vorgestellt werden, die über einen deutlichen positiven Mehrfachnutzen verfügen, also in der Gesamtskala im sicheren grünen Bereich liegen.

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Vor den Maßnahmensteckbriefen herrschte reges Treiben, Diskussion und die „Qual der Wahl“.

Die beteiligten Sprecher der einzelnen Planungsgruppen ließen sich die Vorstellung der Projekte nicht nehmen. Engagiert traten sie für die Vorzüge „ihrer“ Maßnahmen ein und konnten – teilweise auch über den Kreis der unmittelbar betroffenen Nutznießer hinaus – die Eggetaler begeistern. So kam es denn auch spontan zu einer kleinen Änderung des Programmablaufes: Statt die Pause zu einem Austausch und der Vorberatung bei einem kühlen Erfrischungsgetränk zu nutzen, ließen es sich die Eggetaler nicht nehmen, sich sofort mit der Bewertung der einzelnen Maßnahmen zu befassen. So konnten denn nach wenigen Minuten die ersten Trends und Zwischenergebnisse festgestellt werden.

Der „Sieger“ war schließlich das Projekt „Umlegung Mühlenbach“ mit 13,6% der abgegebenen Stimmen. für Für Horst Kirchhoff als Initiator des Projektes Grund genug zum Aufatmen. Schließlich wird durch das Projekt nicht nur der bisher verrohrte Mühlenbach ökologisch aufgewertet und durch einen zusätzlichen Wanderweg das Eggetal zusätzlich interessanter, sondern es kommt dadurch auch die sehnlichst erwartete Sportplatzsanierung voran.

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Lageplan der geplanten Gewässerumlegung und die Situation am Sportplatz

Diese war ins Stocken geraten, nachdem bekannt wurde, dass die unter dem Spielfeld verlaufende Verrohrung sehr große Schäden aufwies und vor Beginn der Arbeiten aufwändig hätte repariert werden müssen. Auch die Stadt Preußisch Oldendorf kann aufatmen, denn schließlich spart sie durch die Offenlegung eine beträchtliche Summe, die sonst in die Rohrsanierung geflossen wäre. Nach Abschluss der Gewässerumlegung wird die nicht mehr benötigte Rohrleitung verfüllt und damit den künftigen Generationen unnötige Folgelasten abgenommen. Aufatmen kann auch der für die Unterhaltung des Mühlenbaches zuständige Wasserverband Große Aue. Er kann künftig leichter mit seinen Maschinen an das Gewässer und spart damit Aufwand für die Pflege des Bachlaufes. „Abfallprodukt“ dieser Pflege ist ein freier Uferrandstreifen, der wunderbar als „Pättken“ von Spaziergängern genutzt werden kann. Nebenbei entstehen am neuen Bach noch Kolke und Flutmulden, die zusätzlichen Speicherraum bei Hochwasser bieten.

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Matthias Wessel als Obmann für die Wanderwege präsentiert das erste Logo für die geplanten Wegemarkierungen des Eggetaler Panorama Rundweges.

Insgesamt zeigt die Abstimmung ein deutliches Interesse an 10 Leitprojekten, darunter setzt die Sanierung der Toilettenanlage in der Grundschule ein wichtiges Signal, dass die Eggetaler gewillt sind, wichtige Beiträge zum Erhalt ihrer Schule zu leisten. Die Neugestaltung des Kur- und Freizeitparks am Haus der Begegnung, die Wiederbelebung des Dorfladens, der Panorama Rundwanderweg, die Umgestaltung des Parkplatzes an der Kirche, das Seniorenwohnprojekt, ein barrierefreier Zugang zum Haus der Begegnung und die Einrichtung eines Dorfcafés wurden mit 10 oder mehr Punkten bewertet. Die anderen Projekte erreichten weniger Zustimmung, werden aber trotzdem in das Konzept aufgenommen und auf die Tagesordnung genommen, wenn die Zeit dafür reif ist.

Am Rande der Abstimmung war immer wieder zu hören, wie schwierig es ist, aus den vielen und wichtigen Projekten eine Auswahl zu treffen. Jeder Teilnehmer hatte nur 3 Punkte zu vergeben; eine Wahl, die sorgfältiges Abwägen erforderlich machte.

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Der künftige Werbeslogan.

Die zweite Entscheidung fiel eindeutiger aus. Aus vier Vorschlägen bestimmten die Hälfte der gesetzten Klebepunkte den Slogan: „Natürlich. Lebenswert. Im Wiehengebirge.“ als künftigen Werbeträger aus. Ein spannender Wahlspruch, in dem sich sogar mit „Natürlich“ und „Lebenswert“ zwei Leitziele der künftigen Dorfentwicklung widerspiegeln. Der dritte Part „Im Wiehengebirge“ weist tatsächlich auf das absolute Alleinstellungsmerkmal des Eggetals hin. Es ist nämlich das einzig nennenswerte Längstal in dem ansonsten relativ schmalen Höhenzug des „Wiehengebirge“ genannten Abschnitt des Weserberglandes.

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Seniorengenossenschaft Riedlingen und die Kräfte der Zivilgesellschaft

Bildnachweis: FemmeCurieuse / photocase.com

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Demographischer Wandel und sich verändernde soziale Strukturen stellen insbesondere den ländlichen Raum vor enorme Herausforderungen. Eine Antwort der besonderen Art gibt seit fast 20 Jahren das Bürgerprojekt der Seniorengenossenschaft Riedlingen. In dem kleinen südlich von Stuttgart gelegenen Ort bestreiten aktive Senioren ein Unterstützungs-Netzwerk für ältere Menschen mit Hilfebedarf, in dem sie Essen ausliefern, im Haushalt helfen oder Fahrdienste zum Arzt übernehmen. Selbst Wohnberatung und ein Pflegedienst sind zwischenzeitlich aus eigener Kraft entstanden.

Der heute 74-jährige Initiator Josef Martin nennt die möglichst lange Selbstständigkeit der hilfesuchenden Senioren in ihren eigenen vier Wänden als maßgebliches Ziel. Damit diese Hilfen sich möglichst alle leisten können, setzen die Riedlinger Genossen auf das bürgerschaftliche Engagement der rüstigen Alten am Ort, denn eine Vollversorgung zu Hause durch professionelle Dienstleister können sich mit bis zu 5000 Euro pro Monat nur die Wenigsten leisten. Selbst ein Platz im Pflegeheim schlägt nicht selten mit 3000 bis 4000 Euro im Monat zu Buche. Bei gleichzeitig sinkenden Renten und einer Pflegeversicherung, die immer mehr unter Druck gerät – ein Viertel aller Deutschen sind bereits heute schon über 60 und bis 2050 werden es 40 % sein – wird die zunehmende Bedeutung ergänzender Systeme in der Altersversorgung deutlich.

Die 650 Mitglieder der Riedlinger Seniorengenossenschaft mit ihren 113 aktiven helfenden Senioren haben die Zeichen der Zeit offensichtlich schon früh erkannt und erfolgreich eine Vermittlung zwischen hilfebedürftigen und hilfeanbietenden Senioren aufgebaut. Jede geleistete Stunde Hilfe wird dokumentiert und auf einem Zeitkonto gutgeschrieben. Die so angesammelten Stunden können die aktiven Senioren später im Bedarfsfall gegen Hilfe zurücktauschen. Eine Altersvorsorge mit der inflationssicheren Währung Zeit wird aufgebaut – einfach, aber alles andere als simpel!

Alternativ zum Zeitkonto können Hilfsdienste auch in Euro bezahlt werden, denn nicht jeder Hilfesuchende hat bereits ein Zeitkonto angespart, von dem er „abbuchen“ kann. Und auch nicht wenige der Helfer nehmen lieber eine Bezahlung in Euro entgegen, um so beispielsweise ihre Rente aufzubessern. Die Hilfeempfangenden zahlen dabei eine Pauschale von 8,20 Euro an die Genossenschaft, wovon 6,15 Euro an die Helfer ausgezahlt werden. Die Differenz verbleibt in der Genossenschaft, die damit ihre Kosten für die gesamte Organisation bestreitet und z.B. auch den Versicherungsschutz der Akteure sicherstellt.

Der gemeinnützige Verein als Träger der Seniorengenossenschaft Riedlingen hat zuletzt Einnahmen von 570.000 Euro jährlich erzielt und konnte 2009 einen Gewinn von über 100.000 Euro erwirtschaften. Trotz des beachtlichen Umfangs ist den Riedlingern wichtig, dass sie nicht dem wirtschaftlichen Druck professioneller Pflegedienste unterliegen und so noch genügend Zeit für menschliche Zuwendung bleibt. Zugleich kann aber auch die Fachlichkeit gewährt werden, da die Einrichtungen der Genossen von ausgebildeten Profis geführt werden. Eine Abrechnung ist so auch über die Pflegeversicherung möglich.

Konrad Hummel, der als Soziologe Anfang der 1990er Jahre im Auftrag des damaligen Ministerpräsidenten Späth das Modellprojekt Seniorengenossenschaft mit auf den Weg brachte, bestätigt diesem Ansatz seine Wirksamkeit sowie seine gesamtgesellschaftliche Relevanz: „Endlich entdecken wir die Kräfte der Zivilgesellschaft.“

Quelle: Wirtschaftsmagazin Brand Eins, Ausgabe 04/2010; S. 123 – 127; http://www.brandeins.de/archiv/2010/lebensplanung/geben-und-nehmen.html

Autor: Ludger Schulte-Remmert, Lippstadt-Dedinghausen, ludger.schulte-remmert@web.de

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Mit Engagement ist vieles möglich

Erfahrungsbericht über die Dorfentwicklung in Lippstadt-Dedinghausen

Preußisch Oldendorf – Börninghausen, denDSC_4463-k 2. Juli 2013, Beitrag von Matthias Wessel

Die Planungen der Arbeitsgruppen zur Dorfentwicklung des Eggetals gehen diese Woche in die dritte Runde. Zu Gast beim Arbeitskreis Soziales war am vergangenen Montag Ludger Schulte-Remmert aus Lippstadt-Dedinghausen. Er berichtete von einer vergleichbaren Situation in seinem Heimatort.

Die Dedinghausener versuchen seit circa zwei Jahren aus eigener Kraft ein Dorfentwicklungskonzept zu erarbeiten. „Die Themen sind da die gleichen wie hier bei ihnen im Eggetal.“ bemerkt Schulte-Remmert. So sind die Situation um die Grundschule und den Dorfladen, sowie die demografische Entwicklung  wichtige Aufgabenstellungen, die die Bürger beschäftigen. „Was können wir unternehmen, damit die älteren Menschen im Ort bleiben und sich gleichzeitig auch junge Familien bei uns niederlassen.“ Schwerpunktprojekte, die die Dedinghausener bereits umsetzten sind das Bürgerbüro, das jeden Samstagvormittag geöffnet hat, und ein sogenanntes Bürgernetzwerk. Hier werden beispielsweise Betreuungsangebote für Kinder und Fahrdienste für ältere Mitbürger organisiert. „Gerade bei jungen, berufstätigen Familien oder Alleinerziehenden ist die Betreuung der Kinder besonders in der Ferienzeit oft ein Problem. Da bietet die Zeitautonomie unserer älteren Dorfbewohner ideale Möglichkeiten. Im Gegenzug werden Einkaufsfahrten oder Mitfahrgelegenheiten zu Gottesdiensten oder für Arztbesuche organisiert.“ berichtet Schulte-Remmert stolz. Weitere Ausbaumöglichkeiten in diese Richtung sind Generationen-Wohnprojekte.  Altersheime in der herkömmlichen Form sind immer weniger beliebt. Sie erinnern an Abschiebestationen. Der Trend geht hin zu selbstorganisierten Wohn- und Lebensmodellen in Form von Alterswohngemeinschaften. Ein Miteinander von Jung und Alt mit genug  Abstand und Raum für Rückzugsmöglichkeiten. „Solche Projekte sind für das Eggetal auch denkbar und durchaus  machbar.“ betont Hartmut Lüdeling von der ARGE Dorfentwicklungsplanung. „Wir sind in Kontakt mit Planern solcher zukunftsweisenden Konzepte, die auch Bereitschaft signalisiert haben uns dabei zu unterstützen. Denkbar wären in etwa sieben bis zehn Wohneinheiten. Wir bräuchten allerdings noch genauere Angaben wie viele Personen dafür in Frage kommen, damit wir solche Planungen festmachen können.“ so Lüdeling weiter. Der Abend machte deutlich, dass die Herausforderungen dörflicher Entwicklung nicht nur im Eggetal brandaktuell sind und sich aber mit dem Engagement  motivierter Bürger durchaus bewältigen lassen.

– Foto: M.Wessel –

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Dorfentwicklung Rietberg-Bokel „am Start“

Am Samstag, den 13. April starteten viele Bokeler in ihrer Grundschule mit den Planungen zur Dorfentwicklung.

13042013_Schulkinder_01Auf Initiative von Ortsvorsteherin Judith Wulf hatte ein Team aus den Vereinen, Wirtschaft, Kirche und Stadtverwaltung die 1. Bürgerplanungsrunde des Dorfentwicklungskonzeptes sehr gut vorbereitet. Weit über 100 junge und ältere Einwohner waren gekommen, um zusammen mit den Planern Sorgen und Ideen zu besprechen und erste Lösungen erarbeiten.

13042013_Begrüßung_01Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder begrüßte in der eigens dafür hergerichteten Turnhalle die Anwesenden und stellte zusammen mit Frau Wulf heraus, warum eine gemeinsame Planung für den Ortsteil Bokel sinnvoll und wichtig ist. Die Planer Helge Jung, Hartmut Lüdeling und Hyco Verhaagen ergänzten in einem einführenden Vortrag, welche 13042013_Kaffeepause_02Themen wie und wann in dem Konzept bearbeitet werden können.

Nach einer gemütlichen Pause mit Kaffee und leckerem Kuchen ging es gestärkt in die Fragerunde. Parallel in drei Klassenräumen waren die Bokeler aller Altersstufen gefragt, ihre Sorgen, Träume und Lösungen aufzuschreiben. Dabei kamen eine 13042013_Fragerunde_02Menge Themen zusammen, die auf großen Pergamentpapieren übersichtlich zusammengestellt wurden. In Bokel drückt wohl am meisten das Thema der fehlenden Internetversorgung. Der Erhalt des Lebensmittelmarktes, der Kindergarten, die Grundschule, fehlende Busverbindungen, sichere Verkehrsverhältnisse, Plätze und 13042013_Kindertisch_01Treffpunkte für Kinder und Jugendliche, neue Wohnformen für Jung und Alt, ein Kunstrasenplatz bis hin zu einem Schwimmteich umspannt die Nennungen. Auch machen sich viele Teilnehmer Gedanken, wie die Versorgung mit heimischem Wasser gesichert bleibt und auf welchen Wegen nicht nur Energie gespart, sondern auch eine 13042013_Planungstisch_02Eigenversorgung für den Ort erreicht werden kann. Ähnlich einig wie beim Internet sind viele der Ansicht, dass eine „Frische-Küche“ für Kinder, Berufstätige und Senioren eine gute Idee für Bokel ist.

Beim Abendimbiss sorgte diese Menge Stoff für reichlich Diskussion und so wurden an den anschließenden Planungstischen schnell spannende 13042013_Präsentation_03Ideen und Vorschläge zu Papier gebracht. Hier ein erster Auszug aus den Projekten:

  • Kunstrasen-Sportplatz mit konkreten Überlegungen zur optimalen Nutzung, Eigenleistungen, Fördermöglichkeiten und Umsetzungszeitraum.
  • Alternativlösung für einen Bolzplatz (Soccer-Court) mit Skateranlage.
  • Rundweg am südlichen Ortsrand zum Bokeler Kanal und Ortseinrahmung mit Obstbäumen und Kopfweiden.
  • Wassererleben am Emssee mit dem Wunsch der Kinder nach Bademöglichkeiten und einem Abenteuerspielplatz mit vielen Bäumen.
  • Streuobstwiesen: Entwicklung der Obstbaumwiesen auf dem Gelände des Wasserwerks als Lehr-Obstwiese für Kinder und Jugendliche mit Patenschaften.
  • Anlage von Blühstreifen im Bereich öffentlicher Grünflächen und Straßenbegleitgrün, beispielsweise im neuen Baugebiet und am Regenrückhaltebecken Bokel-Ost, Randbereiche der Schützenwiese und am Sudeschweg.
  • Beratungsstelle zur Um- und Nachnutzung älterer Häuser zum Wohnungstausch, Umgestaltung und Mehrgenerationenwohungen.
  • Frische Küche für Bokel zur Versorgung des Kindergartens, der Grundschule, für Senioren und als Mittagstisch für die Mitarbeiter der heimischen Unternehmen.
  • Verkehrsberuhigung auf der Bokeler Straße mit den Kreuzungen Lannertstraße, Batenhorster Straße/In der Heide und Brunnenstraße, sowie auf der Lannertstraße in Höhe des Kindergartens.
  • Bestandsaufnahme zur Internetversorgung mit praktischen Hinweisen, wie kostengünstig Glasfaserkabel nach Bokel verlegt werden können.
  • Energieautarkes Bokel: Wie können die vorhandenen Stärken vor Ort nutzbar gemacht werden? Wie kann die Energie aus Biogasanlagen, Photovoltaik und Windkraft ganzjährig genutzt werden?
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