Selbst ist das Dorf

Rietberg-Bokel. 93 Bürger hatten sich, trotz schönem Wetter, auf den Weg zur Gaststätte „Zum Doppe“ gemacht, um die Zukunft ihres Dorfes selber zu bestimmen. In der zweiten Bürgerplanungsrunde warteten 19 Hauptprojekte darauf, von ihren Projektgruppen vorgestellt zu werden.

2. Bürgerplanungsrunde, gespanntes Warten zu Beginn

Gespanntes Warten zu Beginn

Seit der ersten Bürgerplanungsrunde am 13. April hatten sich engagierte Bürger in 14 Arbeitskreissitzungen mit 11 Projektgruppen zusammen gefunden und für unterschiedlichste Themen Lösungen erarbeitet. Die Vielfalt, die die Bokeler dabei erreichten, überraschte die außenstehenden Beobachter sehr.

In 19 Maßnahmenplakaten waren die Projekte zusammengefasst. Die Bokeler waren aufgerufen, die einzelnen Maßnahmen zu bewerten. Dafür standen jedem 3 grüne Klebepunkte zur Verfügung, die wahlweise auf mehrere verteilt oder auch nur auf ein Plakat geklebt werden konnten. Das 20. Plakat war dem geplanten Leitspruch für Bokel vorbehalten. Hierfür konnte ein blauer Punkt in ein Zustimmungs- oder Ablehnungsfeld geklebt werden.

2. Bügerplanungsrunde, Begrüßung

Begrüßung durch die Ortsvorsteherin Judith Wulf

Pünktlich begrüßte die Bokeler Ortsvorsteherin Judith Wulf die Anwesenden und ließ den bisherigen Planungsprozess noch einmal Revue passieren. Hartmut Lüdeling und Helge Jung von der ARGE übernahmen dann die Moderation der Projektvorstellungen. Hyco Verhaagen leistete dabei logistische Unterstützung.

2. Bürgerplanungsrunde, Vorstellung der Dorfküche, Frau Stücker

Vorstellung der Dorfküche durch Johanna Stücker

Alle Maßnahmen sind Teil eines zusammenhängenden Gesamtkonzepts und weisen unterschiedlichen Nutzen in den verschiedenen Handlungsfeldern auf. Die zunächst vorgestellte Dorfküche soll beispielsweise mit frisch zubereitetem Essen für die Attraktivität der Grundschule und des Kindergartens sorgen. Sie soll aber auch für Senioren offen sein und auf Wunsch der heimischen Wirtschaft die Funktion der dort fehlenden Betriebskantine mit übernehmen.

Lageplan des Dorfgemeinschaftsgartens an der Grundschule

Lageplan des Dorfgemeinschaftsgartens an der Grundschule

Der Dorfgemeinschaftsgarten liefert später nicht nur frisches Gemüse und Obst an die Küche, er dient auch der Schule als Lehrgarten und führt die Schulkinder an die ursprüngliche Erfahrung einer Lebensmittelversorgung heran. Gleichzeitig können interessierte Senioren, die sich vielleicht in einer benachbarten neuen Wohnanlage (Projekt Wohnen 55+) kleinere Wohnungen ausgesucht haben, gemeinsam ihrem früheren Hobby der Gartenarbeit nachgehen und den Kindern vielleicht Tipps und Tricks zum Gemüseanbau verraten.

2. Bürgerplanungsrunde, Vortrag der Landjugend

Die Landjugend kümmert sich um einen Jugendtreff

Die Spielplätze sind in Bokel in einem guten Zustand, können aber in einigen Fällen optimiert werden. Die Projektgruppe möchte die Gestaltung des neu geplanten Platzes im Baugebiet Doppheide intensiv begleiten. Das Thema des Jugendtreffs ist da schon schwieriger zu lösen. Hier ist die Landjugend aktiv.

Die Gestaltung, Angebote und die Öffnungszeiten des Kindergartens waren ebenfalls ein Thema. Hier ist der örtliche Träger, der Bokeler Bürgerverein bereits sensibel und plant Verbesserungen und eine Erweiterung auf den U2-Bereich. Auch soll das vorhandene Spielgerät erneuert werden. Die dafür notwendigen Finanzmittel sollen durch Spenden, Sponsoren und Festaktivitäten aufgebracht werden.

2. Bürgerplanungsrunde, 92 interessierte Teilnehmer füllen den Saal "Zum Doppe"

93 Teilnehmer verfolgen die einzelnen Beiträge

Die geplanten grünen Ortseingänge dienen ebenfalls nicht nur dem Zweck, das Ortsbild zu verschönern. Sie schaffen einen unverwechselbaren Eindruck vom Dorf und dienen gleichzeitig der Verkehrssicherheit.

Der Bokeler Kanal ist in weiten Strecken nicht für die Allgemeinheit zugänglich. Hier einen Pattweg anzulegen, der für Spaziergänger als Rundwanderweg genutzt werden kann, erscheint vielen Bokelern eine gute Lösung.

2. Bürgerplanungsrunde in Bokel, Vorstellung Umbau Lannertstraße, Herr Strotmeier

Der Umbau der Lannertstraße wird die Trennwirkung im Dorf aufheben, ist sich Matthias Strotmann sicher

Der Umbau oder besser ein maßvoller Rückbau der Lannertstraße wurde ebenfalls als dringliches Projekt angesehen. Diese Kreisstraße lag früher wie die Landstraße Bokeler Straße am Ortsrand. Durch das neue Baugebiet Doppheide auf der anderen Seite der Straße fällt nun auf, dass die überbreite Fahrbahn bei Schulkindern und Erwachsenen zu Unsicherheiten führt. Durch verkehrsberuhigende Pflanzbeete kann diese trennende Wirkung abgemildert werden.

Von Anfang an wurde das Problem der schlechten Übertragungsraten bei der Breitbandversorgung in Bokel heiss diskutiert. Die Ortslage Bokel ist trotz flächendendeckender LTE-Versorgung im Umfeld tatsächlich so etwas wie ein von den Versorgern vergessener weißer Fleck auf der Landkarte. Die Projektgruppe hatte ermittelt, dass bereits seit 25 Jahren ein Leerrohr von Rietberg bis zum Ort ungenutzt im Boden liegt, durch das man bequem und kostengünstig ein Glasfaserkabel verlegen kann. Trotzdem schreiben die Vergaberichtlinien vor, dass zur Einrichtung einer flächendeckenden Versorgung zunächst per Fragebogen der Bedarf nach Übertragungsleistungen abgefragt werden muss. Die Initiative möchte sich hier einbringen und innerhalb der Bürgerschaft für einen verstärkten Rücklauf sorgen.

Der Weg zu einem Energiedorf soll in Bokel in Etappen vorgenommen werden. Als guten ersten Baustein ist der Betrieb einer nachbarschaftlich organisierten Energieanlage angedacht. Hier könnte ein kleines Blockheizkraftwerk Strom produzieren und die überschüssige Wärme im Sommer in einen Energiespeicher leiten. Zusammen mit einer interessierten Fachfirma möchte die Initiative eine Musterlösung berechnen und anschließend realisieren.

Die Idee eines Bürgerwindrades wurde ebenfalls vorgestellt und könnte für Bokel ein Modell sein, die unter Umständen geplanten Windkraftanlagen mit zu gestalten und als Dorf davon zu profitieren.

Aus einem Wunsch der Jugend heraus ist die Idee eines Wasserspielplatzes an der Ems entstanden. Hier könnte der Nachbau eines historischen Waschplatzes für zusätzliche Attraktivität sorgen.

Das Wohnen 55 + ist trotz relativ „junger Demografie“ in Bokel ein Thema. Das Ziel ist, ältere Menschen rechtzeitig eine Wohnanlage anzubieten, die ihnen ein sorgenfreies Alter in vertrauter Umgebung ermöglicht. Sinnvoll ist dabei die Verbindung mit dem wahrscheinlich in Kürze von der Stadt Rietberg geplante Programm „Jung kauft Alt“, durch das junge Familien Anreize bekommen, älteren Bokelern ihre zu groß gewordenen Häuser und Wohnungen abzukaufen. Bürgermeister Andreas Sunder sicherte jedenfalls zu, sich für die Einführung eines solchen Programms einzusetzen.

2. Bürgerplanungsrunde in Bokel, Vorstellung des Internetkonzeptes

Die Vorstellung des Internetportals für Bokel als Jugendprojekt durch Lukas Lose interessiert Bürgermeister Andreas Sunder besonders

Die Landjugend hatte spontan die Idee mitgetragen, für Bokel ein gemeinsames Internetportal einzurichten. Hierüber sollen sich die heimischen 85 Gewerbebetriebe vernetzen und für ihre Angebote werben. Wenn Jugendliche die Gestaltung der Startseite übernehmen und sie mit täglichen kleinen Neuigkeiten versehen, könnte daraus ein Projekt entstehen, das die Bokeler neugierig macht. Die erhöhten Besucherzahlen können dann für Werbeeinnahmen sorgen, die den jungen Redakteuren zugute kommen sollen.

". Bürgerplanungsrunde, Vor der Wahl gab es regen Diskussionsbedarf

Vor der Wahl gab es regen Diskussionsbedarf

Nach Abschluss der Vorstellung ergaben sich an den Tischen und an den Stellwänden mehrere Diskussionsrunden. Die Projektgruppen nutzten die Situation, um noch einmal Werbung für ihre Maßnahmen zu machen.

Am Ende waren schließlich 279 grüne Punkte vorschriftsmäßig geklebt. Die Breitbandversorgung mit 45 Punkten (16,13 %) belegte dabei den 1. Platz, dicht gefolgt von der Dorfküche (41; 14,70 %) und dem Umbau Lannertstraße (40; 14,34 %). Der Pattweg Bokeler Kanal erreichte 34 Punkte (12,19 %), der Kindergarten 29 (10,39 %), die Spielplätze 20 (7,17 %) und das Wohnen 55 + lag mit 16 Punkten und 5,73 % noch über dem Durchschnitt. Auch wenn die anderen Projekte nicht diese Stimmenzahl erhielten, werden sie mit in das Konzept aufgenommen und möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt auf die Tagesordnung gesetzt.

Ein eindeutiges Ergebnis wurde bei der Abstimmung über das künftige Leitmotto Bokels erzielt. Hier hatte es im Vorfeld eigentlich keine Alternativen gegeben, so dass der Slogan „SELBST IST DAS DORF“ zur Abstimmung gestellt wurde. Zusätzlich war die Erläuterung geplant: „B = bürgernah; O = optimistisch; K = kreativ; E = engagiert; L = Lebenswert“ und zur Abstimmung gestellt. Das Ergebnis war überwältigend: Es wurden 87 Punkte im Feld „Gefällt mir“ gezählt, 1 Punkt war als Enthaltung zu werten und das Feld „Gefällt mir nicht“ blieb komplett leer.

2. Bürgerplanungsrunde, Die Projektgruppe Nachbarschaftsenergie berät die nächsten Schritte

Die Projektgruppe Nachbarschaftsenergie bespricht bereits die nächsten Schritte mit Werner Doppmeier

Zum Abschluss dankte Bürgermeister Andreas Sunder und Ortsvorsteherin Judith Wulf allen Beteiligten für ihre aktive Mithilfe.

Ein reges Gespräch in kleiner Runde sorgte zum Abend hin für einen gemütlichen Ausklang.

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